Schlagwort: Rassismus

Rückkehr der Symbolpolitik. Kommentar.


Regenbogen vs. Braun. Grafik: Henning Bulka. Lizenz: CC-BY-SA 3.0.

Ich bin erschüttert (wenn auch nicht sonderlich überrascht) über die symbolpolitischen Vorschläge der vergangenen Tage. NPD-Verbot, Vorratsdatenspeicherung – alles schon mal gehört. Was werden wir als nächstes hören? Hans-Peter Friedrich schlägt das Sperren von Neonazi-Websites vor? Es wäre nur zu typisch.

http://twitter.com/alexschestag/status/137828260171087872

Mich erinnert die aktuelle Lage ein wenig an die Vergleiche, die zwischen Norwegen und Deutschland im Juli diesen Jahres nach den Anschlägen in Oslo und Utøya gezogen wurden. Sicher, die Vorfälle lassen sich nur begrenzt vergleichen, doch sie tragen den gleichen Federstrich: Terror und Gewalt gegen Andere – ob nun Andersdenkende oder vermeintlich Andersartige.

„Wie Norwegens Ministerpräsident auf die grausamen Anschläge reagiert, ist beeindruckend. Er beschwört die Freiheit, nicht Vergeltung.“

Einleitung zu „Norwegens Art, die Freiheit zu verteidigen“, ZEIT Online, 25. Juli 2011

Die Frage stellt sich auch für uns: Wie gehen wir mit Terror – nicht nur von rechts sondern auch allgemein – um? Lassen wir uns davon wirklich in unseren Grundfesten erschüttern und stecken wir deshalb zurück in unseren Freiheits- und Grundrechten? Oder stehen wir anstattdessen noch fester zur Demokratie und unseren Werten?

Eine Reform des Verfassungsschutzes im Detail erscheint angesichts der Ermittlungspannen in der Tat sinnvoll. Auch ein stärkeres Problembewusstsein in Bezug auf extremistische Kreise und daraus abgeleitetes Handeln sind dringend nötig.

Ein Verfallen in immer gleiche Restriktions- und Überwachungsforderungen ist jedoch dem Zeitgeist nicht mehr angemessen.

DerWesten.de macht auf Xenophobie.

Ganz ehrlich: Ich bin kein großer Fan von Rants, von aufgebauschten Diskussionen zu nicht wirklich relevanten Themen, und normalerweise versuche ich, mich vor Aufregerbeiträgen zu hüten. Aber heute kann ich nicht anders. Der Grund dafür ist das hier:

Diese Grafik stammt aus einem Beitrag mit dem Titel „20 Gründe, warum wir eh nicht nach Dänemark wollen“, der heute auf DerWesten.de – dem regionalen Nachrichtenportal in meiner Gegend – veröffentlicht wurde. Dieser bezieht sich zunächst einmal auf die von Dänemark kürzlich verschärften Grenzkontrollen, die – meiner Meinung nach zu Recht – für viel Diskussion gesorgt hatten.

Normalerweise hätte ich den Artikel wahrscheinlich gar nicht bemerkt, wenn nicht sowohl der Haupt-Twitteraccount von der DerWesten.de als auch der Twitter-Account des Regiodesk in Bochum dieses Machwerk noch beworben hätten.

Ein Autor für den Beitrag ist nicht vermerkt – wohl aus gutem Grund. Denn im Prinzip besteht der Artikel nur aus einem: Xenophobie und Rassismus. In einem der Nennung nicht werten, absolut abschätzigen Ton wird über Dänemark hergezogen, unseren nördlichsten Nachbarn, und ein Land, das viele von uns mindestens schon einmal im Urlaub besucht haben. Es werden – wie der Titel schon andeutet – insgesamt zwanzig Gründe angeführt, warum Dänemark – und die Dänen! – angeblich ganz furchtbar seien, und man es und sie deshalb nicht mehr brauche. Ich weiß, dass das wohl ein witzig gemeinter Beitrag sein soll, aber irgendwann hört der Spaß eben auf.

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