Schlagwort: Blutkonserve

Gedanken zum Weltblutspendetag

Ich bekenne: Ich habe gestern kein Blut gespendet. Ich habe sowieso noch nie Blut gespendet. Und zwar ganz bewusst, obwohl Blutspenden ergo Blutkonserven für viele Menschen von höchster Wichtigkeit sind – zum Beispiel, damit sie operiert werden können, und dabei nicht auf dem OP-Tisch verbluten. Und auch, trotzdem gestern Weltblutspendetag war, der extra noch einmal ganz explizit auf die Brisanz des Blutspendens hinweisen sollte – Nein, ich habe kein Blut gespendet.

Wieso? Weil ich ein schlechter Mensch bin? Weil ich mein Blut für mich allein haben will, nichts davon abgeben will, um anderen zu helfen? Nein. Ich habe kein Blut gespendet, weil ich es nicht darf. Das liegt nun keinesfalls daran, dass ich sonderlich extrem lebe. Weder bin ich ein Drogenjunkie, der sich mit dreckigen Nadeln mehrere Ladungen pro Tag in die Venen drückt, noch verkaufe ich meinen Körper als Prostituierter. Nein, der Grund dafür, dass ich kein Blut spenden darf, liegt in dem Menschen, den ich liebe. Er ist ein Mann. Und weil ich mit einem Mann Sex habe, darf ich kein Blut spenden. So „einfach“ ist der Grund für mein vermeintliches gesellschaftliches Fehlverhalten.

Denn nach dem „Gesetz zur Regelung des Transfusionswesens“ (kurz Transfusionsgesetz, TFG), gelten Schwule, bzw. präziser gesagt „Männer, die Sex mit Männern haben“, kurz „MSM“, als „Risikogruppe“. Gefragt wird nach diesem Detail in einem Fragebogen, den man vor der Erlaubnis, Blut lassen abgeben zu dürfen, ausfüllen muss.

Diese Zuordnung zu einer Risikogruppe lässt sich anhand von Zahlen sehr überzeugend begründen: Männer aus der Kategorie „MSM“ tragen statistisch gesehen wesentlich häufiger das HI-Virus in sich, den Auslöser der Immunschwächekrankheit AIDS, als Männer, die eben keinen Sex mit Männern haben, also heterosexuelle Männer. Und deshalb werden „MSM“, also faktisch homo- und bisexuelle Männer, vom Blut spenden ausgeschlossen – so einfach die Rechnung nach Behördendeutsch.

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