DerWesten.de macht auf Xenophobie.

Ganz ehrlich: Ich bin kein großer Fan von Rants, von aufgebauschten Diskussionen zu nicht wirklich relevanten Themen, und normalerweise versuche ich, mich vor Aufregerbeiträgen zu hüten. Aber heute kann ich nicht anders. Der Grund dafür ist das hier:

Diese Grafik stammt aus einem Beitrag mit dem Titel „20 Gründe, warum wir eh nicht nach Dänemark wollen“, der heute auf DerWesten.de – dem regionalen Nachrichtenportal in meiner Gegend – veröffentlicht wurde. Dieser bezieht sich zunächst einmal auf die von Dänemark kürzlich verschärften Grenzkontrollen, die – meiner Meinung nach zu Recht – für viel Diskussion gesorgt hatten.

Normalerweise hätte ich den Artikel wahrscheinlich gar nicht bemerkt, wenn nicht sowohl der Haupt-Twitteraccount von der DerWesten.de als auch der Twitter-Account des Regiodesk in Bochum dieses Machwerk noch beworben hätten.

Ein Autor für den Beitrag ist nicht vermerkt – wohl aus gutem Grund. Denn im Prinzip besteht der Artikel nur aus einem: Xenophobie und Rassismus. In einem der Nennung nicht werten, absolut abschätzigen Ton wird über Dänemark hergezogen, unseren nördlichsten Nachbarn, und ein Land, das viele von uns mindestens schon einmal im Urlaub besucht haben. Es werden – wie der Titel schon andeutet – insgesamt zwanzig Gründe angeführt, warum Dänemark – und die Dänen! – angeblich ganz furchtbar seien, und man es und sie deshalb nicht mehr brauche. Ich weiß, dass das wohl ein witzig gemeinter Beitrag sein soll, aber irgendwann hört der Spaß eben auf.

Ich möchte an dieser Stelle nicht alle Affronts gegen Dänemark und die Dänen, die der Artikel enthält, einzeln aufführen. Viel mehr bemühe ich mich gerade darum, dass mir nicht der Kragen platzt bei dieser Ignoranz, die hier zu Tage tritt. Und so etwas schimpft sich dann Qualitätsjournalismus?!

Dass solche Inhalte womöglich täglich in diversen Foren, auf Blogs, oder sonstwo veröffentlicht werden, ist mir klar, und das ist schon schlimm genug – da der Affront der Gleiche bleibt. Doch was mich wirklich auf die Palme bringt, ist, dass eine von mir doch wirklich geschätzte Redaktion wie die von DerWesten.de so einen Bockmist verzapft. Hat den Mist denn niemand gelesen, bevor er online ging? Hat niemand gemerkt, was für ein menschenverachtender Schwachsinn darin steht? Wie unglaublich unpassend der süffisante Tonfall ist?

Liebe Redaktion von DerWesten.de: Ich verstehe Euch einfach nicht! So etwas ist weder witzig, noch Satire, noch irgendwie sonst tolerierbar – sondern Ihr überschreitet damit die Grenze zum boulevardesk Hetzerischen bei Weitem!

Wer kam denn bitte – ernsthaft! – auf die Idee, die Dänen als ein Volk dafür verantwortlich zu machen, dass seine Regierung so eine fragwürdige Grenzkontrollregelung einführt? Dafür können doch die Menschen vor Ort nichts, geschweige denn, dass sie die Regelung super finden. Ich bin mir sicher, gerade im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Dänemark wird es so einige geben, die das alles überhaupt nicht toll finden.

Ich bin schlicht weg enttäuscht, und fühle mich verletzt – nicht nur in meiner Rolle als angehender Journalist, der zu gewissen Prinzipien steht, sondern auch als Europäer – und der bin und bleibe ich, trotzdem ich versuche, immer ein bisschen durch die Neutralitätsbrille zu schauen.

Mit diesem Artikel, lieber DerWesten.de, stellt ihr Euch auf eine Stufe mit der BILD (Stichwort „die faulen Griechen“!), mit der britischen Yellow Press, die uns Deutschen in regelmäßigen Abständen Nazi-Avancen zuschreibt, und mit rechten US-Boulevardmedien, die Obama aus purem Rassismus die amerikanische Staatsbürgerschaft absprechen wollten.

Als Deutscher, der in einem Artikel so angefeindet würde, forderte ich eine Entschuldigung. Da ich kein Däne bin, kann ich es von Euch nicht als Däne fordern – aber dafür als Europäer!

Denn so geht es wirklich nicht!

7 Comments

  1. heinzgitz

    Ich finde das mit den Grenzkontrollen gut, sollte auch in der Schweiz so sein.

  2. Schön ist so ein Artikel sicher nicht (ich empfand den Verweis auf 1864 allerdings als nach unten herausragend, damit kann man sich in Schleswig-Holstein tatsächlich auch heute noch nicht sehen lassen). Aber Xenophobie und Rassismus sind natürlich genau die Dinge, die Dänen sich in der Sache derzeit vorwerfen lassen müssen – und etwas dafür können sie leider auch, denn sie wählen diese erschreckend rechts auslegende Regierung jetzt schon seit mehreren Legislaturperioden. Nein, geschmacklos, aber in der Sache berechtigt, selbst in seiner Häßlichkeit.

  3. @Thomas: Ich sehe es ähnlich wie du, dass natürlich die Einführung der neuerlichen Grenzkontrollen ein ebenso xenophober Akt ist, und das sollte auch keinesfalls beschönigt werden. Viel mehr finde ich die Art und Weise unglaublich plump. Ein kritischer, auch gerne satirischer Kommentar – meinetwegen, damit könnten glaube ich alle gut leben. Doch was hier veröffentlicht wurde, nimmt alle Dänen auf einen Schlag in Generalhaft. Sicher, sie haben ihre Regierung gewählt, das steht außer Frage, aber das ist kein Grund, die Bevölkerung eins zu eins mit der Regierung zu verurteilen.

  4. Pingback: Links anne Ruhr (08.07.2011) » Pottblog

    • Ein selten schlechter Artikel. Ich hab noch nicht so ganz verstanden, warum gerade die WAZ solch einen Artikel kreieren musste. Zumal der Artikel auch Fehler enthält. Der SSW als politische Vertretung der dänischen Südschleswiger muss auch um seine Stimmen werben und kann entsprechend auch seine Landtagsmandate wieder verlieren. Er ist nur von der landesweit geltenden 5-Prozent-Hürde ausgenommen. Es gibt also keine Quote oder ähnliches. Aber der unbekannte Autor des Artikels ist ja auch ganz froh jemanden wie mich (also jemanden aus der dänischen Minderheit) nur alle 5 Jahre sehen zu müssen..Danke !

      Die andere 19 Gründe erübrigen sich im Prinzip eines Kommentars (Nielsens Sinfonien klingen wie Blähungen, Deutschland hat den Deutsch-Dänischen Krieg eh gewonnen etc..).

      Allerdings seh ich die verstärkten Zoll-Kontrollen auch nicht wie Ihr als ausländerfeindlichen oder xenophoben Akt. Ich seh sie auch kritisch, vor allem weil ich sekptisch bin, ob sie wirklich den Menschenhandel und die gestiegene Kriminalität durch Diebesbanden eindämmen können. Aber generell ausländerfeindlich sind sie nicht. Man könnte der Dänischen Volkspartei und ihren Motiven Ausländerfeindlichkeit unterstellen..ok. Dann müsste man aber auch sagen, dass selbst die sozialdemokratische Oppositionsführerer Anfang des Jahres noch verstärkte Kontrollen gefordert hat. Auch unser eigenenr Innenminister hat im Frühjahr noch verstärkte Kontrollen gefordet. Interessant war ein deutscher Zöllner, der seinen Amtskollegen aus Dänemark letzte Woche begleitet hat und in einem Interview sinngemäß sagte, dass Deutschland im Prinzip nichts anderes mache, nur ohne solch ein mediales Theater ^^ Man könnte also sagen, die Dänische Volkspartei betreibt eine Art Symbolpolitik und dank des Aufschreis in Deutschlands könnte sie damit eventuell sogar Erfolg haben (nach dem Motto: Seht her, wir tun was).

      viele Grüße, Janne

  5. Lustig, heute war auf der Seite vom dänischen Rundfunk zu lesen, dass Schweden etwa 20 mal mehr Zöllner in der Öresundregion hat als Dänemark. Selbst bei 20 zusätzlichen Zöllnern auf dänischer Seite wird Schweden weiterhin wesentlich mehr Zollbeamten haben. Die Schweden versuchen so an jedem Einfallswinkel (Brücke, Fährhäfen) mit Zoll präsent zu sein. Selbst der Direktor des dänischen Zolls war überrascht, dass die Schweden so viel mehr Zöllner bereit halten.

  6. Ich möchte eigentlich nur anmerken, dass mir der Bezug, den du zu Europa und dir als Europäer herstellst, gut gefällt. Das ist ein Gedanke, dem ich mich nur anschließen kann und von dem ich mir wünschte, dass er verbreiteter wäre als das Denken in Nationalitäten.

    Und wenn ich schon dabei bin, dass dein Blog eine schöne Mischung aus „Spaß“ und „Ernst“, aber immer gut geschrieben, ist. Lese deine Artikel gerne :)

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