Google vereint sich mit sich selbst

Ab 1. März ändern sich die Datenschutzbedingungen für alle Dienste von Google – also etwa für Google Mail, die Suche, YouTube, Google Docs, und so weiter.

Das Besondere dabei: Ab diesem Zeitpunkt gibt es nur noch eine einzige Datenschutzerklärung für alle Google-Dienste, die so noch weiter unter einem gemeinsamen Dach vereinigt werden sollen. Was so einfach klingt, zieht jedoch auch einiges andere nach sich.

Alma Whitten, zuständig bei Google für Datenschutz und Produktentwicklung bei Google, erklärt die Änderungen an der Datenschutzerklärung so [Update, 25.01., 13.40 Uhr: mittlerweile auch auf Deutsch nachzulesen]:

„Die größte Veränderung ergibt sich für Nutzer mit Google-Konten. Unsere neue Datenschutzerklärung stellt klar, dass Daten, die ihr in einem Google-Dienst angebt, gegebenenfalls mit Informationen aus einem anderen verwendeten Google-Dienst zusammengeführt werden, wenn ihr angemeldet seid. Mit anderen Worten: Wir behandeln den Nutzer als ein- und dieselbe Person, auch wenn er verschiedene Google-Dienste verwendet – das macht die Nutzung unserer Produkte noch unkomplizierter und intuitiver.“

Das heißt, dass in Zukunft euer YouTube-Account direkt mit eurem Google-Mail-Account und eurem Suchprotokoll verknüpft sein wird – und zwischen diesen verschiedenen Diensten auch eure Daten zusammengeführt werden. Habt ihr also einmal bei Google nach „Schweden“ gesucht, empfiehlt euch YouTube in Zukunft unter Umständen Videos vom schwedischen ESC-Kandidaten, und geht es in einer Nachricht in Google Mail um Urlaub, schlägt euch die Seitenleiste dann vielleicht Hotels in Stockholm vor. Dass dieses Prinzip natürlich nicht nur mit „Schweden“ sondern auch mit anderen, eventuell pikanteren Begriffen funktioniert, ergibt sich wohl von selbst.

Letztlich ist diese Änderung durch Google keine Überraschung. Schon die erzwungene Anmeldung bei Google Mail und Google+ für neue Google-Nutzer und das künftige Einfließen von Google+-Inhalten in andere Suchergebnissen haben die Marschrichtung bei Google angezeigt – nämlich weg von vielen einzelnen Diensten, hin zu einer einheitlichen Dachmarke, wie auch Thomas Gigold schreibt. Ob das der richtige Weg für Google ist, steht auf einem anderen Blatt, und das vermag ich noch nicht zu beurteilen.

Trotzdem schlägt die Ankündigung der Änderungen bereits jetzt schon hohe Wellen. Ein Kritikpunkt: Die Nutzer können sich nicht gegen die Neuerungen wehren und müssen sie einfach hinnehmen, wie die Washington Post schreibt. Doch ist das verwunderlich? Wie oft hatte ich bisher eine Wahl, die neuen Nutzungsbedingungen eines Online-Dienstes anzunehmen, sei es Amazon, PayPal oder eBay. Kein einziges Mal. Die einzige Wahlmöglichkeit, die ich außer Zustimmung habe, ist: Abmelden, Nutzerkonto löschen.

Natürlich offenbart das die Risiken, die wir als Nutzer akzeptieren, wenn wir die kostenlose Dienstleistung von Unternehmen wie Google, Facebook, etc. in Kauf nehmen: Einmal angemeldet und angekommen im sozialen Netzwerk, ist es nicht mehr so einfach, die Bande zu lösen und sein Nutzerkonto zu löschen – schließlich hängt daran schon nach kurzer Zeit ein ganzer Rattenschwanz an persönlichen Informationen und Verbindungen, die wir (wahrscheinlich) nicht missen wollen, immerhin haben wir bis dahin den Dienst ja gerne genutzt. Und besonders deutlich wird dies eben bei Google, einem Unternehmen, das uns vom E-Mail-Client über das Managen von Terminen bis hin zum Kontakthalten mit Freunden und das Austauschen von Videos so ziemlich alles ermöglicht.

Doch sind wirklich neue Erkenntnisse? Nein. Jeder, der sich bei Google registriert, weiß um die vermeintliche Datenkrake, die dahintersteckt. Doch wir nehmen es in Kauf, denn was wir für das Preisgeben unserer Daten bekommen, scheint es uns wert zu sein – zumindest den meisten.

Wie dramatisch sind nun also die Änderungen, die Google an seiner Datenschutzerklärung angekündigt hat? Sicher, sie werden nicht wenige Nutzer überraschen und vielleicht sogar aufrütteln, da sie plötzlich merken werden, was ihre zusammengeführten Daten für ein Profil von Ihnen hergeben.

Doch ist das nicht vielleicht gerade das sogar sehr wünschenswert auf dem Weg hin zum daten(-schutz-)bewussten Verbraucher?