„ROMEOS“: Die Suche nach sich selbst


Fabio und Lukas in „ROMEOS“. Foto © PRO-FUN MEDIA

In den deutschen Programmkinos ist in diesen Tagen ein wirklich bemerkenswerter Film angelaufen: ROMEOS … anders als du denkst!

Die Geschichte ist schwer in wenigen Sätzen zu erzählen, letztlich dreht sich aber zunächst einmal alles um Lukas – ein junger Mann, der frisch nach Köln gezogen ist, um dort seinen Zivildienst abzuleisten. Doch dort wird er zunächst nicht bei den anderen Zivis im Wohnheim untergebracht – sondern landet als einziger Junge im Mädchentrakt.

Denn Lukas trägt ein Geheimnis mit sich herum, von dem niemand wissen soll: Er ist Frau-zu-Mann-transsexuell. Früher hieß Lukas noch Miriam, und physisch befindet er sich irgendwo auf dem Weg zwischen Mädchen und Junge. Eine für ihn selbst schwierige und komplizierte Situation der Wandlung und Selbstfindung, von der in Köln nur seine Betreuerin im Wohnheim und seine beste Freundin Ine wissen.

Das für Außenstehende vielleicht dazu noch besonders Verwunderliche: Trotzdem Lukas jetzt ein Mann ist, fühlt er sich nicht zu Frauen sondern zu Männern hingezogen – und so erkundet er natürlich auch die Kölner Schwulenszene. Dabei trifft er auf den Platzhirsch Fabio – und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Fabio hat ebenfalls Interesse an Lukas – doch das führt irgendwann zu der unausweichlichen Situation, dass Lukas sich offenbaren muss …

ROMEOS ist ein unglaublich einfühlsamer Film, bei dem ich als jemand, der zu dem Thema Transsexualität/Transidentität bisher quasi keine Verbindungen oder persönliche Erfahrungen hat, sehr gut nachfühlen konnte, wie Lukas fühlt, und wie er in seinem eigenen Körper kämpft – um endlich der zu sein können, als der er sich fühlt. Zwar bedient der Film an einigen Stellen viele Klischees, jedoch bringt er so auch zum Ausdruck, wie krass die Geschlechterwelten im Alltag eben doch voneinander getrennt sind – gerade aus Sicht eines Menschen, der sich dazwischen befindet. Alles in allem: Sehr eindrucksvolles deutsches Kino mit viel Gefühl, Humor, und überragenden Darstellern.


Lukas steht in ROMEOS zwischen den Geschlechtern. Foto © PRO-FUN MEDIA

FSK: Ab 12? Ab 16?

Vor dem Kinostart von ROMEOS gab es einige Aufregung um die FSK-16-Altersfreigabe, die die Darstellung von Homosexualität im Film als völlig einseitig beschrieb und ihr bescheinigte, dass sie „zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen“ könne. Der Film könne deshalb „belastend“ und „verwirrend“ auf junge Zuschauer wirken, die sich selbst noch mitten in der sexuellen Orientierung befinden. Daraufhin gab es viel (in meinen Augen sehr berichtigte) Kritik an der FSK, nicht nur von der Regisseurin sondern auch von vielen Medien, unter anderem aus der LGBT-Szene. Die FSK hat mittlerweile ihre Begründung für die Freigabe ab 16 Jahren geändert – die Einstufung bleibt aber.

Ich habe mir gestern Abend, nachdem ich ROMEOS in Bochum gesehen hatte, auch die Frage gestellt, welchen Altersgruppen ich den Film empfehlen würde. Letztlich kam ich auch zu dem Schluss, dass eine Freigabe ab 16 durchaus vertretbar ist. Leider gibt es in Deutschland keine Freigabe ab 14, die wäre auch durchaus passend gewesen. Warum aber nicht ab 12?

Ich glaube schlicht, dass ROMEOS viele Dinge voraussetzt und nicht erklärt, die 12-Jährige einfach noch nicht verstehen könnten. Ich glaube, dass der Film junge Menschen, die selbst zwischen den Phasen Kindheit und Jugend stehen, sehr fragend zurücklassen kann – wenn sie ihn sehen, ohne danach mit jemand Älterem darüber sprechen zu können. Ich denke also durchaus, dass der Film auch Unter-16-Jährigen gezeigt werden kann – aber dann sollten die Jugendlichen danach die Möglichkeit zum Austausch darüber haben und Fragen loswerden können. Quasi eine abgewandelte deutsche Umsetzung des amerikanischen „parental guidance advised“.

Kinotermine

Wer sich nun ROMEOS selbst ansehen möchte, hat die nächsten Tage noch an vielen Orten in Deutschland die Chance dazu. Alle Vorstellungstermine findet ihr auf der Facebook-Seite von ROMEOS.

Habt ihr ROMEOS selbst schon gesehen? Wie ist eure Meinung? Ich bin gespannt!