Path: Privates sicher mit Freunden teilen?


Grafik: Path

In den letzten Tagen gab es viel Rummel um Path, eine App für iPhone und Android, die es eigentlich schon länger gibt, aber jetzt mit Path 2.0 quasi noch einmal neu gestartet ist, mit komplett neuem Design, und so weiter.

Dabei ist die Idee hinter Path, also „Pfad“ im Deutschen, das eigene Leben mit anderen zu teilen: Wo bin ich gerade mit wem? Welche Musik höre ich? Und dazu können natürlich Bilder und andere Statusnachrichten geteilt werden. Das klingt zwar alles erstmal sehr nach Facebook, es gibt aber doch deutliche Unterschiede. Zum Beispiel ist Path „private by default“ – ich habe also die volle Kontrolle darüber, mit wem ich meine „moments“, also Momente, wie es in Path heißt, teile. Die Entwickler wollen, dass ich zwar viel von meinem Leben teile – aber eben nur mit den Menschen, die mir wirklich wichtig sind, also beste Freunde und Familienmitglieder.

Ein weiterer Gegensatz zu Facebook oder auch Google+: Zu Path gibt es (wahrscheinlich noch) keine Desktop- oder Browser-Variante. Es läuft also alles in der Smartphone-App (für Android & iPhone erhältlich) ab. Dadurch wird auch klarer, was Path genau sein soll.

„[A] new era is upon us, the mobile era, defined by the fact that we carry devices equipped with keyboards, cameras, music, location-tracking, and our loved ones just a button-press away. The mobile era is deserving of a new way to tell our stories–in a new network, in new type of journal.“

Quelle: Path Story

Zur genauen Funktionsweise gibt es (natürlich) auch ein wirklich schön gemachtes, emotionales Erklär-Werbe-Video der Macher:

Nun bleibt die Frage: Top oder Flop? Ich bin noch unschlüssig. Auf der einen Seite bin ich skeptisch, ob noch ein weiteres soziales Netzwerk wirklich weiterhilft, und ob wir nicht langsam der neuen Apps überdrüssig werden. Auf der anderen Seite sehe ich in Path einen wirklich neuen Ansatz, nämlich einen Fokus auf Privatsphäre und Sicherheit. Gerade dieser Ansatz könnte Path im Gegensatz zu Facebook, das uns im Prinzip immer mehr in die digitale Öffentlichkeit drängen will, echte Punkte bringen – insbesondere in Deutschland.

Eine Frage, die jedoch auch bei Path noch offen bleibt, und auf deren Antwort ich gespannt bin: Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Womit wollen die Entwickler Geld verdienen? Eine kostenpflichtige Pro-Version der App, die die wenigsten kaufen würden? Banner-Werbung, die alle nervig finden würden, insbesondere, weil Smartphone-Bildschirme schon klein genug sind? Oder die Nutzung der gesammelten Daten, um den Nutzern personalisierte Werbung zukommen zu lassen? Gerade letzteres wäre wohl der Dolchstoß für das Projekt, da sofort alle Privatsphären-Pluspunkte verspielt wären.

Es bleibt also eigentlich nur abzuwarten, wie sich die App entwickelt. Spannend sind der Ansatz und die grafisch und konzeptionell wirklich tolle Umsetzung aber alle Mal.

Ich freue mich jedenfalls über eine neue, schicke App auf meinem Homescreen, teile darüber ein wenig von meinem Leben mit meinen Liebsten, und harre der Dinge. Und ihr?

2 Comments

  1. Patrick H.

    Ich finde das, was da suggeriert wird, extrem kritisch. Path verspricht, dass die eigenen Inhalte nur mit denjenigen geteilt werden, die man explizit dafür ausgewählt hat. Das geht „letztlich“ mit Facebook auch, auch dort kann ich jeden geteilten Inhalt nur für wenige Menschen freigeben.

    Die ENTSCHEIDENDE Frage beantwortet mir Path aber nicht: welchen Zugriff hat das Unternehmen selbst auf die privat geteilten Inhalte? Und das ist die entscheidende Schwäche. Denn ohne eine klare Ansage ist das ganze Konzept nichts wert, nein, ohne das Versprechen, kryptografisch dafür gesorgt zu haben, dass man als Unternehmen selbst keinen Zugriff auf diese Inhalte hat, ist das ganze Konzept eine Illusion. Im Zweifel heißt es eben auch Schutz der geteilten Inhalte vor Verfolgung in repressiven Staaten.

    Bei Path geht es nur um ein bürgerliches Wohlfühlkonzept. Man möchte nicht das pöse[tm] Facebook benutzen müssen, mit den vielen, vielen ominösen Gefahren, um vernetzt zu sein. Gleichzeitig bleibt es selbst sehr ominös bei den Gefahren die ich sehe, wenn es um Cloud Computing geht: niemand definiert, wie genau die Kontrolle über meine Daten in der Cloud aussieht, obwohl mir diese Kontrolle versprochen wird.

    Insgesamt wird bei Path etwas versprochen, was nicht geliefert wird: echte private Kommunikation.

  2. Pingback: Links anne Ruhr (05.12.2011) » Pottblog

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