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„In Russland wird gar nicht so viel Vodka getrunken, wie man immer denkt“

Wie arbeitet es sich eigentlich als weibliche Korrespondentin im russischen Sankt Petersburg? Wie sehr belastet die Ukraine-Krise auch im ganz persönlichen Rahmen die Arbeit und das Leben dort? Und welche starken Frauengeschichten soll das Crowdfunding-Projekt Deine Korrespondentin in Zukunft liefern?

In der 37. Ausgabe des Biertalk habe ich zusammen mit Fabienne Kinzelmann und Mark Heywinkel dazu die freie Journalistin Pauline Tillmann befragt. Einen besseren Mittwochabend hätte ich mir in dieser Woche ehrlich gesagt nicht vorstellen können.

Und ich bemerke immer wieder: Der persönliche Einblick in andere Länder und Kulturen ist unglaublich spannend. Ich sollte definitiv noch mehr reisen.

Premiere: Auf ein Bier mit …

Der Urlaub ist vorbei – und es gibt Neuigkeiten!

Was ihr hier seht, ist eine echte Premiere: Die erste Folge von Auf ein Bier mit …, der neuen Web-Talkshow, die Julian Heck, Mark Heywinkel und ich am Mittwoch gemeinsam gestartet haben. Von 21 Uhr an haben wir uns ein Bier lang per Hangout mit Jonathan Sachse unterhalten, einem freien Journalisten aus Berlin.

Die Idee hinter unserem Projekt: Wir sprechen als junge Journalisten mit jungen Journalist_innen über ihre Arbeit und die Probleme und Chancen in der Branche. Dabei laden wir, zunächst im Zweiwochenrhythmus, alle Mitglieder der Top 30 unter 30 des Medium Magazin ein. Entstanden ist diese Idee bei einem gemeinsamen Frühstück von Julian, Mark und mir in Berlin-Schöneberg.

Logo Auf ein Bier mit

Unsere erste Folge heute Abend war sicherlich nicht perfekt – und gerade aus Timingsicht her nicht optimal, Stichwort Champions League. Aber: Wir hatten das Gefühl, dass das Format funktioniert, und so sah auch das erste Feedback der Zuschauer_innen aus. Und: Es hat großen Spaß gemacht!

Ich bin gespannt auf eure Meinung: Macht euch diese erste Folge unserer neuen Web-Talkshow Lust auf mehr? Schreiben könnt ihr mir hier, wir freuen uns aber natürlich auch über Feedback auf Twitter, dem Hashtag #biertalk, Facebook und natürlich YouTube!

Also, bis in zwei Wochen!

Nach der #rp13: Im IC von Berlin zurück nach Düsseldorf

Ein Bierchen vor der Station. Foto: Gregor Fischer. Lizenz: CC BY 2.0.

Ein Bierchen vor der Station. Foto: Gregor Fischer. Lizenz: CC BY 2.0.

Am Ende war es alles ganz schnell wieder vorbei. Die re:publica in Berlin hat mich mal wieder geplättet, und zwar im positiven Sinne. Zu keinem anderen Anlass habe ich bisher mehr spannende Menschen auf einem Fleck und so viele bekannte Gesichter wieder gesehen. Und keine andere Veranstaltung gibt mir so sehr das Gefühl, zu verstehen, was dieses Internet™ eigentlich ist, wie es auf vollkommen verschiedene Weisen funktioniert – und welche Auswirkungen das auf den Rest der Gesellschaft hat.

Aber genug der Lobhudelei. Hier, im Zug von Berlin zurück nach Düsseldorf sitzend, habe ich mich gefragt:

Was nehme ich mit?

Fangen wir mal mit einem Buzz-Thema an: das Phänomen YouTube, und warum der „Rest“ des Internets davon bisher so wenig mitbekommen hat und es auch nicht versteht. Am Ende bleibt bei mir die Vermutung: Das, was wir als neue Community auf YouTube erleben, ist nichts anderes als eine neue Jugendkultur. Die verstehen die wenigsten am Anfang. Und wie jede echte Jugendkultur wird auch die YouTube-Community zunehmend von ihrer Vermarktbarkeit gefressen. Das macht die Videomacher zwar nicht schlechter, ihre Videos allerdings erwartbarer und die Plattform damit zu einem Eldorado für Werbende und zu einem neuen Player auf dem Medienmarkt. Zieh dich warm an, liebes Linear-Fernsehen!

Ebenso um Veränderung ging es auf mehreren Panels zum Thema Arbeit und wie sie weiter durch technologische Entwicklungen im Wandel steht. Johannes Kleske (@jkleske) hat dazu einen sehr spannenden Vortrag gehalten. Kernthesen: Zwar werden immer mehr Jobs durch Maschinen und Digitalisierung übernommen, allerdings wachsen nicht genug neue Tätigkeitsbereiche nach. Dabei gibt es zwei Zukunftaussichten: Eine Dystopie, in der wir von Maschinen förmlich unterjocht werden, und eine Utopie, in der wir uns ohne Arbeitszwang voll entfalten können. Die Realität liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen, doch dafür müssen wir Lösungen finden gegen zu viele starke Unterdrückungstendenzen. Ein wirklich spannender Vortrag, den ich hier zum Nachschauen eingebunden habe:

Und schließlich nehme ich auch einen Appell an meinen eigenen Berufsstand mit. „Ehrlich gesagt verstehe ich deine Zunft nicht wirklich“, hat mir ein Vertreter der #OpenData-Bewegung gesagt. Dahinter steht die Frage: Warum nutzen – gerade im Lokalen – so wenige Journalisten die verschiedenen Möglichkeiten der Datenrecherche und Datenvisualisierung? Ganz getreu dem inoffiziellen Motto der re:publica 2013, „Machen!“ – geprägt von Sascha Lobo –, will ich mich in Bezug auf Datenjournalismus mehr ausprobieren im nächsten Jahr. Welche Daten gibt es zuhause bei mir vor der Haustür? Wie lassen sich so für meine tägliche Arbeit im Lokaljournalismus neue Recherchen anstoßen? Und wie lässt sich das im Radio gut umsetzen, ohne zu technisch und zahlenlastig zu werden?

Diese letzten Fragen sind dabei auch eng mit dem Vortrag von Daniel Bröckerhoff (@doktordab) zum Thema #OpenJournalism verbunden.

Dieser stand zwar eher am Rande der re:publica und bereitete im Grunde auch nur weitgehend bekannte Fakten neu auf. Trotzdem hat das Panel und die Vorstellung von Daniels Projekt bei mir einen ungeheuren „Machen!“-Drang ausgelöst. Mir schießen in den letzten Tagen ständig neue Ideen durch den Kopf, allseits bekannte Themen einmal neu aufzugreifen, ihre Recherche offener zu gestalten, und unsere Hörer und Leser stärker mit einzubeziehen. Klar, Call-In-Radio gibt es schon lange – aber die Fragen stellen bisher immer wir Radiomacher. Wie das alles gehen kann, daran will ich arbeiten.

Machen!

Aber weil ja nicht nur drüber schreiben hilft, sondern am Ende wirklich das Machen! stehen muss, komme ich an dieser Stelle zum Ende. Ich freue mich schon darauf, im kommenden Jahr auf der #rp14 mit vielen weiteren spannenden Leuten eine Mate trinken zu dürfen und über dieses Internet zu sinnieren. Morgen fahre ich aber erst einmal wieder ganz normal auf dem Fahrrad in die Redaktion – und dann schaue ich einfach mal, wie er morgen aussehen kann, dieser bessere und offenere Journalismus.

Auf bald!

P.S.: Danke, lieber Hamster! <3

Videospaß am Abend • 10.01.2013

Was gibt es Schöneres, als ein paar nette Videos am Abend? Da ich ehrlich gesagt nicht ständig meine Netzrückblicke mit zu vielen Videos zuspammen will, und die wenigstens einigermaßen infolastig bleiben, dachte ich mir: Schaffe ich doch statt eines morgendlichen Netzrückblicks noch den Videospaß am Abend. Willkommen zur ersten Ausgabe!

  • Die britischen YouTuber Tim Hautekiet und Jack Howard haben gemeinsam mal wieder ein großartiges Video produziert – „There’s an elf in the corner!“:
     
  • Faultiere zählen nun nicht unbedingt zu den aufregendsten Kreaturen. Doch gerade deshalb können wir viel von ihnen lernen:
     

    (via Andrew Sullivan: The Dish)
  • Erstmals in der Geschichte ist es Forschern gelungen, einen Riesenkalmar unter Wasser, also in seiner natürlichen Umgebung, zu filmen. Und ich muss sagen: Das Tier sieht wirklich beeindruckend aus:
     

    Am 27. Januar soll es dann beim US-amerikanischen Dokusender Discovery Channel die gesamten Aufnahmen zu sehen geben.
    Link: First ever video of giant squid is amazing (The Verge)

Wer oder was ist eigentlich dieses YouTube?

Der Brite Benjamin Cook trifft in seiner YouTube-Doku „Becoming YouTube“ verschiedene YouTuber und spricht mit ihnen über YouTube. So einfach, so faszinierend. Foto © Benjamin Cook.

Der Brite Benjamin Cook trifft in seiner YouTube-Doku YouTuber und spricht mit ihnen über YouTube. So einfach, so faszinierend. Foto © Benjamin Cook.

4 Milliarden Videoabrufe täglich, 800 Millionen Besucher pro Monat – das, in zwei beeindruckenden Zahlen, ist YouTube. Was als einfacher Hort für lustige Katzenvideos begann, ist zwar heute immer noch ein toller Ort, um Katzenvideos zu schauen – ist heute aber gleichzeitig auch der wohl größte Anbieter für Bewegtbildinhalte im Netz.

Das besondere: Jeder kann seine Videos auf YouTube stellen, eine Sendelizenz braucht dafür niemand. Klar, auch die großen Studios und Fernsehsender betreiben eigene YouTube-Kanäle. Wirklich faszinierend ist aber eigentlich die Community der privaten Videomacher, von denen immer mehr zwischen einigen Hunderttausenden bis hin zu mehreren Millionen von Abonnenten haben. Und so gibt es inzwischen echte YouTube-Persönlichkeiten, Berühmtheiten im Netz, die für eine riesige, meist sehr junge Zuschauerbasis echte Idole sind – nicht nur mit ihren Videos, sondern auch mit dem, was sie an Persönlichkeit darin verkörpern.

How do I become YouTube famous?

Aber, welche Mechanismen stecken dahinter? Wie wird man eine Berühmtheit auf YouTube? Diesen Fragen geht momentan der Brite Benjamin Cook in einer – wie sollte es anders sein – Serie von Videos auf YouTube nach.

Dabei spricht er mit vielen bekannten Gesichtern der britischen YouTuber-Szene, etwa mit Charlie, Alex Day. Bisher sind zwar nur zwei Folgen online, aber schon jetzt ist es sehr spannend, durch die Augen von einigen der wohl erfolgreichsten Online-Videomacher der Welt auf YouTube zu blicken. Besonders erfolgreich sind sie mit Sicherheit auch dadurch, dass sie Englisch sprechen, und so Menschen auf der ganzen Welt erreichen.

Das Interessante daran: Auch diese meist sehr jungen Menschen machen sich große Gedanken um ihr Publikum. Denn Fakt ist: Sie erreichen mit ihren Videos hauptsächlich Teenager zwischen 13 und 17 Jahren, und die meisten davon sind weiblich. Umso spannender sind in diesem Zusammenhang Fragen wie: Spielt das Aussehen eine Rolle? Wie erreiche ich am meisten Zuschauer? Und: Warum mache ich das eigentlich? Wegen der Klicks, oder weil es mir Spaß macht?

Becoming YouTube ist eine höchst sehenswerte Videodokureihe, die tiefe, witzige und sehr persönliche Einblicke in eine ganz besondere Parallelwelt bietet, dabei die eigene Kreativität inspiriert – und gleichzeitig durch die unglaublich hohe Qualität auch noch richtig gut unterhält.

Und was ist mit den deutschen YouTubern?

Benjamin Cooks – zugegebenermaßen teils eigenwilliges und nicht immer ganz ernst gemeintes – Portrait der YouTube-Community beschränkt sich auf den englischsprachigen Raum, genauer gesagt größtenteils auf den britischen Teil der Videomacher. Aber wie sieht es mit Deutschland aus? Schließlich gibt es auch hier mittlerweile sehr erfolgreiche YouTuber. Das Paradebeispiel sind hier wohl Y-Titty – drei Jungs aus Franken, die mittlerweile in Köln leben und von ihren YouTube-Videos leben.

Doch, auch wenn das sicherlich nur mein ganz persönlicher Eindruck ist, den ich nur schwer belegen kann: Ich glaube, dass die deutschsprachige YouTuber-Community der englischsprachigen noch um einige Ecken hinterher hinkt. Sicher, auch hierzulande gibt es kreative Videomacher. Nach meinem Empfinden setzen dabei aber gerade die erfolgreichsten Kanäle auf – mit Verlaub – Titten, Sex und ziemlich billige Comedy.

Bisher gibt es noch keinen deutschen Charlie McDonnell, der mit handgemachten Sketchen groß geworden ist auf YouTube und jetzt Millionen junger Menschen neues Selbstbewusstsein gibt. Nein, die deutschen „YouTube-Größen“ produzieren – meinem Empfinden nach – in den meisten Fällen TV-ähnliche Videos, die auf schnelle Klicks aus sind, und sich dabei häufig auch noch einer Art Humor bedienen, die ich nicht unbedingt elegant nennen möchte.

Tiefgang? In den meisten Fällen leider Fehlanzeige. Diesen etwas pauschalen Eindruck habe ich leider auch beim Hören der diversen – übrigens ansonsten sehr gut gelungenen – YouTuber-Portraits von Fabian von Triffy.de für die Sendung mit dem Internet über die letzten Wochen gewonnen. Klar, all das gibt es im britischen Teil von YouTube auch – aber eben nicht in dieser Dominanz, sondern gleichberechtigt neben einer Fülle an etwas subtileren Videos.

Natürlich kann es aber auch sein, dass ich die guten und etwas anspruchsvolleren deutschsprachigen YouTuber einfach noch nicht entdeckt habe. Und klar, es ist auch nicht alles furchtbar. Videos wie die von „Teilzeitvlogger“ Marcel oder Michael Buchinger machen durchaus Mut.

Vielleicht braucht es also einfach noch eine gewisse Zeit, bis noch mehr ambitionierte junge Filmemacher hierzulande YouTube als die eigene Plattform entdecken. Bis dahin schaue ich aber wohl doch noch ein bisschen weiter auf Englisch.

Und ihr?