Schlagwort: Smartphone

Tooltipp: Pocket

Heute Abend, kurz vor der neuen Woche, die sicherlich wieder viele spannende Artikel, Videos und Texte bringen wird, möchte ich euch einmal eines meiner Werkzeuge vorstellen, das mir hilft, bei allem, was auf Twitter, Facebook & Co. passiert, noch die Übersicht zu behalten: Pocket, vorher bekannt unter dem Namen ReadItLater.

Mit einer eigenen App für den Mac bietet Pocket ein tolles Leseerlebnis.

Mit einer eigenen App für den Mac bietet Pocket ein tolles Leseerlebnis.

Pocket ist ein Service, der euch dabei hilft, lesenswerte Dinge an einem zentralen Ort zu speichern. Dort abgespeichert könnt ihr die gesammelten Artikel später in einem Rutsch lesen, weiterverbreiten oder archivieren. Ich persönlich mache das sehr gerne über die Pocket-App für den Mac, das Lesen funktioniert aber auch prima über den Browser in der ziemlich schicken Pocket-Webapp.

Aber wie kommen die Artikel dorthin? Bleiben wir dafür zunächst einmal beim Desktop. Ich nutze als Browser auf meinem Mac Google Chrome. Hierfür bietet Pocket eine eigene Erweiterung an – jedoch nicht nur für Chrome sondern auch für Firefox, Safari oder Opera. Einmal installiert sitzt die Erweiterung rechts neben der Adressleiste.

Mit der entsprechenden Erweiterung ist das Speichern von Artikel aus Chrome ein Kinderspiel.

Mit der entsprechenden Erweiterung ist das Speichern von Artikel aus Chrome ein Kinderspiel.

Bin ich nun auf einer Seite mit einem spannenden Artikel, klicke ich einfach auf das Pocket-Icon und schon ist der Artikel für das spätere Lesen gespeichert. Bei Bedarf kann ich außerdem noch Schlagwörter hinzufügen, zum Beispiel „ces13“ für Artikel, die die Consumer Electronics Show 2013 betreffen. So kann ich die Artikel später leichter sortieren und wiederfinden.

Das Ökosystem Pocket

Was mich aber an Pocket immer wieder ganz besonders begeistert, ist die Tatsache, dass ich quasi von überall aus Artikel speichern kann. So kann ich mit der installierten Chrome-App direkt aus Google Reader Artikel in meine Pocket-Liste schieben, aber auch der großartige Mac-RSS-Reader Reeder hat die Option zum Speichern von Artikeln in Pocket.

Besonders wichtig ist mir aber natürlich auch die Anbindung an mein Smartphone, die ebenso einfach wie funktional ist. In meinem Fall nutze ich die hauseigene App für Android, Pocket bietet aber auch Apps für iPhone, iPad oder Windows Phone an.

Pocket hat auch eine tolle Android-App. Der linke Screenshot zeigt den Kurzbefehl, Artikel über das systemübergreifende Menü „Share“ in Pocket zu speichern. Rechts ist die Artikelübersicht zu sehen.

Pocket hat auch eine tolle Android-App. Der linke Screenshot zeigt den Kurzbefehl, Artikel über das systemübergreifende Menü „Share“ in Pocket zu speichern. Rechts ist die Artikelübersicht zu sehen.

Das besondere an der App, zumindest unter Android: Ich kann mit ihr nicht nur Artikel einfach und schön aufbereitet lesen, sondern Pocket ist nach der Installation auch im systemübergreifenden „Share“-Menü von Android zu finden. Das bedeutet, dass ich fast überall, wo mir Android die Möglichkeit gibt, einen Inhalt zu teilen, auch Pocket auftaucht. So kann ich von überall aus spannende Links speichern (Ausnahme: Facebook).

Das funktioniert sogar in Twitter für Android: Öffne ich hier einen Tweet, der einen Link enthält, kann ich auf „Share“ tippen und den Tweet in Pocket speichern. Die App ist hier aber so schlau, nicht den Link zum Tweet auf Twitter.com, sondern direkt den verlinkten Artikel zu speichern.

Mein Tipp: Ausprobieren!

Diese Feinheiten sind es, die für mich Pocket zu einem absoluten Killer-Service machen. Klar, es gibt Alternativen wie zum Beispiel Instapaper oder Diigo, beide bieten mir aber letztlich nicht den Komfort und die tiefe Integration wie Pocket.

In diesem Sinne: Probiert’s einfach mal aus! Vielleicht wird sich so auch für euch die Flut an Links über den Tag hinweg in eine schicke kleine Leseliste verwandeln.

Welche Tools nutzt ihr, um die Übersicht zu behalten?

Netzrückblick • 11.01.2013

In meinen – mehr oder weniger regelmäßigen – Netzrückblicken teile ich Artikel und Links aus Twitter, Facebook oder Google Reader, von denen es schade wäre, wenn sie einfach so im Nirvana verschwinden würden.

  • 60 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr, sagt zumindest der am 10. Januar vorgestellte Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung, des BUND und der Le Monde diplomatique. Damit belegen die Deutschen einen internationalen Spitzenplatz – mit enormen Folgen für die Umwelt.
    Links: Futtern und die globalen Folgen (Deutschlandfunk) und Fleischatlas – Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel (BUND)
  • Google bekommt offensichtlich wesentlich stärkeren Druck von der EU-Kommission als bisher angenommen. Konkret geht es um die Beeinflussung von Suchergebnissen, so EU-Wettbewerbskomissar Joaqiun Almunia.
    Link: European Commission May Force Google To Change How It Presents Its Search Results (TechCrunch)
  • Foursquare könnte nicht mehr lange zu leben haben – das berichtet zumindest ein Analyst aus Investorenkreisen. Die Geldgeber haben anscheinend so langsam keine Lust mehr, das Unternehmen mit immer neuem Geld zu unterstützen, denn wirklich Fortschritte scheint der Dienst bei der Nutzerakzeptanz nicht zu machen.
    Link: ANALYST: ‚Foursquare Will Fail By The End Of 2013‘ (Business Insider)
  • Watchblogs sind spätestens seit dem BILDblog stark ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, weil sie den Finger in die Wunde legen. Nun gibt es auch ein Wacthblog fürs Radio: Radiowatcher. Das Blog ist damit nach der Initiative Fair Radio die zweite Anlaufstelle im Netz, wenn es um unlautere Methoden von Radiomachern geht
    Link: Radiowatcher
  • Google ist gerade dabei, Millionen von Büchern aus aller Welt in eine digitale Bibliothek zu scannen. Das klingt einerseits phantastisch – doch verlieren wir so nicht die Kontrolle über unser kulturelles Erbe? Eine Dokumentation beleuchtet nun die Kontroverse um Googles Mega-Bibliothek:
     
  • Von unterwegs berichten ist eine der größeren Herausforderungen für Journalisten und Blogger. Richard Gutjahr hat jetzt seine Werkzeuge für einfache und qualitativ hochwertige mobile Berichterstattung vorgestellt.
    Link: Travel-Tools für Blogger & Journalisten 2013k (G! gutjahrs blog)
  • Öffentliche WLANs sind unsicher, das wissen mittlerweile die meisten. Um Bankgeschäfte oder auch nur E-Mails sicher abwickeln zu können, braucht man daher einen meist kostenpflichtigen VPN, also einem sicheren Kanal, über den die Daten verschlüsselt werden. Eine Alternative soll künftig iTwin Connect bieten – ein VPN-USB-Stick, der jetzt auf der CES in Las Vegas vorgestellt wurde.
    Link: The iTwin Connect Plugs Into Your Laptop To Create A Personal VPN That Nobody Can Crack (TechCrunch)
  • Wenn Menschen auf ihr Smartphone blicken, vergessen sie oft die Welt um sich herum. Das führte in der Vergangenheit häufiger zu Beulen beim Gegen-die-Laterne-laufen. Ein Tumblelog dokumentiert nun die „Menschen, die auf ihr Smartphone starren“.
    Link: Menschen, die auf Smartphones starren (Wall Street Journal Blogs)
    (via Anne Hemmes)
  • Android-Nutzer können ab sofort neue Chrome-Funktionen noch vor der offiziellen Veröffentlichung testen, denn: Google bietet ab sofort eine Beta-Variante von Chrome für Android an.
    Link: Test drive new Chrome for Android features early with Google’s new beta channel (The Verge)
  • Tweetdeck, einer von zwei offiziellen Twitter-Clients, hat ein Update für den Mac erhalten. So können Nutzer jetzt direkt aus der App Einbett-Codes für Tweets erstellen.
    Link: Tweetdeck For Mac Catches Up With Chrome (TechCrunch)

P.S.: Ich habe mal ein bisschen am Layout für den Netzrückblick gebastelt. Gefällt euch das in dieser Liste und mit den hervorgehobenen Schlagwörtern besser als vorher?

Netzrückblick • 09.01.2013

Lange ist es her, dass ich das letzte Mal einen Netzrückblick hier im Blog veröffentlicht habe – genauer gesagt knapp zwei Jahre. Es wäre doch aber schade, wenn die von mir gelesenen und für lesenswert befundenen Artikel aus Twitter, Facebook oder Google Reader einfach so im Nirvana verschwinden würden. Deshalb, einfach mal wieder so, weil mir danach ist: Hier sind meine Link-Highlights der letzten Woche.

Ein Männermagazin. Für Väter. (Thomas Gigold)
Warum gibt es eigentlich kein Magazin von Vätern und denen die es (nicht) sein wollen für Väter und die, die es (nicht) sein wollen? Das hat sich auch Thomas Gigold gefragt – und will die Idee nun in die Tat umsetzen.

Belgian media planning shared digital content passport (paidContent)
Während hierzulande noch alle rätseln, wie denn Bezahlvarianten für die Online-Portale der Verlage funktionieren könnten, machen die Verlagshäuser in Belgien (und auch Tschechien) einfach Nägel mit Köpfen, und schließen sich unter einem Dach zusammen. Spannend!

How Twitter Gets In The Way Of Knowledge (Buzzfeed)
Was auf Twitter geschrieben wird, wird mit zunehmender Nutzerzahl zu einem immer wertvolleren Archiv für Sprachwissenschaftler. Denn: Hier können sie Alltagssprache analysieren und bestimmte Sprachphänomene auf einer Basis von Millionen von Nutzern auswerten. Beziehungsweise: Sie könnten. Denn Twitter schränkt den Zugriff auf seine Datenbanken stark ein. Eine Problemanalyse gibt’s bei Buzzfeed.

… und dann war ich plötzlich im Radio. (Hendryk Schäfer)
Mein Freund war im Radio, weil er die WAZ getestet hat. Interviewt hat ihn der liebe Kollege Daniel Fiene für „Töne, Texte, Bilder“, das WDR 5 Medienmagazin. Ich hatte übrigens auch meinen Anteil an dem Beitrag. Kleiner Tipp: Ich habe mit vielen Menschen gesprochen …

Microlives (Andrew Sullivan: The Dish)
Zwei Stunden sitzen kosten einen eine halbe Stunde Lebenszeit. 1,25 Fruchtmahlzeiten bringen dafür eine halbe Stunde mehr Lebenszeit. Zumindest, wenn man den Berechnungen des Forschers David Spiegelhalter glaubt.

1993 was a good year for music (The Verge)
Spotify & Co. sind nicht nur toll, um Musik zu hören, sondern auch, um Musik zu entdecken. Meine Lieblings-Tech-Seite hat anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Technikmesse CES einfach mal die eigenen Leser nach ihren Musikhighlights 1993 befragt. Herausgekommen ist eine tolle Playlist mit vielen Erinnerungen.

Gemeinnützigkeit als ruinöses Geschäftsprinzip (VOCER)
Peter Littger analysiert das Dilemma, in dem die deutschen Zeitungsverlage stecken: Einerseits sprechen sie von einem gesellschaftlichen Informationsauftrag, andererseits brechen ihnen die Finanzierungsgrundlagen dafür immer stärker einfach weg. Littger macht deshalb fünf Reformvorschläge für das Jahr 2013.

tame – das “Schweizer Taschenmesser für Twitter”? (Reinhardt Neuhold)
Der Dienst tame aus Berlin ist ein ganz spannendes Analysetool für die eigene Twitter-Timeline. So sollen zum Beispiel Journalisten herausfinden können, welche Themen und Artikel gerade besonders diskutiert werden. Reinhardt Neuhold hat mit den Machern gesprochen.

The best of CES 2013 (The Verge)
In Las Vegas tobt gerade die zwanzigste Ausgabe der Consumer Electronics Show, kurz CES. Wer den Überblick behalten will, ist bei den großartigen US-Kollegen von The Verge richtig.

Nokia Confirms It’s Keeping An Open Mind About Using Android In Future. (TechCrunch)
Tja, Microsoft: Auch Nokia schaut sich um. Bisher hat Windows Phone noch nicht sonderlich viel Boden gut machen können gegenüber der (zugegeben beinahe übermächtigen) Konkurrenz von Google und Apple. Nun hat auch der bisher loyalste Partner Microsofts, der finnische Hersteller Nokia, zugegeben: Ja, auch wir behalten uns vor, nicht ewig auf Windows Phone zu setzen. Es wird also immer enger für Microsoft.

Neil Ibata: 15-Jähriger an „Nature“-Studie über Galaxien beteiligt (SPIEGEL Online)
Ein 15-Jähriger aus Straßburg hat während eines Praktikums einfach mal mit ein paar Daten „gespielt“ – und dabei zufällig eine neue Theorie über die Rotation von Galaxien bewiesen. Sachen gibt’s.

Smartbook – Analog ist das neue Digital (Papierbotschaft)
Was wäre, wenn man ein Smartphone in ein Buch packen würde? Marcel-André Casasola Merkle und Agnes Lison haben es für die Süddeutsche Zeitung Edition ausprobiert. Herausgekommen sind 192 Seiten „Smartbook“ für 15 Euro. Schick!

Und zum Schluss noch etwas von Twitter:

Der Fetisch des „echten Lebens“


Foto: Andrew Mason. Lizenz: CC BY 2.0.

Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich, freundlich wie ich bin, mehrmals meine Persönlichkeit der Wissenschaft zur Verfügung gestellt, und an verschiedensten Studien und Online-Befragungen genommen. Häufig untersuchten die auch in irgendeiner Form das Mediennutzungsverhalten der Probanden.

Eine Frage, die mir dabei immer seltsam vorkam: „Wie viele Stunden am Tag sind Sie online?“, gerne auch variiert „Wie viele Stunden am Tag verbringen Sie im Internet?“.

Spätestens seit ich Besitzer eines Smartphones mit Datentarif bin, kreuze ich in so einem Fall die Option „24 Stunden“ an – bzw. häufig die Maximaloption à la „mehr als 4 Stunden“. Denn ganz ehrlich: Wann bin ich einmal nicht online? Im Funkloch vielleicht, oder wenn der Akku alle ist. Und ich bin tunlichst bemüht, genau diese Situationen zu vermeiden.

Zu viel Online?

Ist das schlimm? Macht mich das zu einem Internetabhängigen? Diese Frage und die dahinter stehende Annahme, dass dauerhaftes Online-Sein irgendetwas Schlimmes, Weltentfremdetes oder Realitätsfernes sein könnte, scheint dieser Tage ein beliebtes Narrativ zu sein.

In der oben stehenden Folge des Klub Konkret – mit dem von mir sehr geschätzten, aber gelegentlich auch sehr „meinungsstarken“ Marcel Wichmann, u.a. von Quote.fm – wird die „exzessive Smartphone-Nutzung“ immer wieder als etwas Negatives beschrieben, wobei Marcel natürlich die gegenteilige Meinung vertritt.

Mein Fazit der Sendung: Sicher, es mag Menschen geben, die mit ihrem Medienkonsum auf eine problematische Bahn geraten, doch das liegt nicht am Internet oder am Smartphone, sondern an ihrer Sozialisation und ihrer mangelnden Einbindung in soziale Netzwerke – im soziologischen Sinne, ich meine damit also nicht zwingend Facebook oder etwas ähnliches.

Der Traum vom Offlinesein

Doch nicht nur, dass es schädlich sei, dauerhaft online zu sein, zieht sich durch aktuelle Diskurse. Bewusst offline zu sein scheint, für viele etwas sehr Erstrebenswertes zu sein. Von solchen beinahe paradiesischen Erfahrungen anderer schreibt auch Eike Kühl in seinem Artikel Der falsche Traum vom Offlinesein für die ZEIT. Dabei kommt er auch auf den Begriff des „IRL-Fetisch“, also den Fetisch des „echten Lebens“, zu sprechen, beschrieben durch Nathan Jurgenson. Diese Begrifflichkeit passt auf das Preisen des „Offlineseins“ wohl ganz gut.

Normalerweise finde ich Experimente von irgendwelchen Autoren und Journalisten, die für eine bestimmte Zeit „offline“ gehen, und dann über die „echte Welt“ schreiben, ziemlich langweilig. Anders ist es beim Tech-Blogger Paul Miller von The Verge, der seit dem 1. Mai „offline“ ist und über seine Erfahrungen schreibt – auf wirklich sehr humorvolle und sympathische Weise (Funfact: Die Blogeinträge gibt er per USB-Stick an seine Kollegen weiter). Auch er greift in seinem letzten Blogeintrag What is the internet? den „IRL-Fetisch“ auf.

Die nächste Stufe des Experiments „Internet“

Darin schreibt Miller dazu über das, was ich anfangs als eine Art Missverständnis der „Nicht-Digital-Natives“ beschrieb, und was Eike Kühl ebenso zu stören scheint: Ist eine Trennung zwischen Offline- und Online-Welt in „echte Welt“ und „unechte Welt“ überhaupt noch sinnvoll? Entspricht das noch der Wirklichkeit, oder sind beide Welten nicht schon komplett miteinander verschmolzen? Schließlich handelt es sich beim „World Wide Web“ nicht mehr um kalte, unmenschliche Websites, sondern hinter jede Ecke verstecken sich echte Menschen, die im Netz schlicht eine neue Kommunikationstechnik sehen – und es auch so nutzen.

Das Netz ist menschlich geworden.


Designstudie des „Project Glass“ von Google. Foto © Google, Inc.

Doch nicht nur das macht aus meiner Sicht die Trennung zwischen „Offline-Welt“ und „Online-Welt“ obsolet. Der Tech-Blogger Robert Scoble schrieb heute über den Beginn eines neuen Webzeitalters, nämlich dem des „contextual web“. Dahinter steckt die Idee, dass auch Geräte wie unsere Smartphones oder vielleicht künftig auch unsere Brillen nicht mehr abgekapselt von unserer Lebenswelt einfach nur Tweets und Websites anzeigen, sondern förmlich mit unserer Umgebung verschmelzen. Früher Digitales wird plötzlich greifbar und integriert sich perfekt in unser Leben – eine Unterscheidung ist nicht mehr möglich, aber ob der Inhalte auch nicht mehr sinnvoll.

Unsere mobilen Minicomputer, die wir mit uns rumschleppen, wissen mittlerweile, wo wir sind, anhand unserer Kalender auch, warum wir irgendwo sind, mit wem wir dort sind, wie es dort aussieht, was für Wetter dort ist – und wann der nächste Zug nach Hause fährt. All diese Informationen intelligent zu kombinieren, das ist die große Aufgabe, an der Entwickler überall auf der Welt gerade arbeiten. Das Ziel ist klar: Das Netz endlich nicht mehr als künstlichen Raum zu begreifen, sondern es uns in seiner ganzen Komplexität und Funktionalität zur Verfügung zu stellen.

Ich freu‘ mich drauf. Und ihr?

Der Wunsch, Gutes zu tun.


Kaffeebohnen. Foto: Selma Broeder. Lizenz: CC BY 2.0.

Gestern kam meine Kaffee-Lieferung. Per Post, aus Berlin, vom Coffee Circle. Drei Kaffeesorten gibt’s dort: Espresso, sowie eine milde und eine kräftigere Röstung. Alles bio, alles zwar nicht offiziell „fair“ aber dafür direkt und nicht auf dem Weltmarkt gehandelt – die Kaffeebauern am anderen Ende der Welt können also von ihrer Arbeit leben und so ihre Familien ernähren. Und außerdem wird mit jedem Kilo Kaffee, den der Coffee Circle verkauft, auch noch 1 Euro wahlweise an eines von drei sozialen Projekten gespendet, in meinem Fall für den Bau einer kleinen Dorfschule. Tolle Sache also.

Eigentlich.

Denn, eine Frage die ich mir natürlich jetzt stelle: Warum habe ich anstatt dessen nicht Kaffee in einer lokalen Rösterei gekauft? Zum Beispiel bei der roestbar in Münster, ebenfalls bio und dazu in der Röstergilde. Oder im röst.art in Bochum? Zumindest bei letzterer Rösterei hatte ich bereits zwei Mal Schwierigkeiten, vor Ort herauszufinden, ob die Bauern für ihren Kaffee fair bezahlt wurden.

Fair leben und leben lassen

Hinter all diesen Überlegungen steht mein persönlicher Wunsch, so zu leben, dass ich damit so wenigen wie möglich schade. Deshalb stehe ich auf nachhaltige Produkte. Produkte, die ohne oder nur mit wenigen Schadstoffen in der Produktion hergestellt wurden. Produkte, von denen die Menschen, die die Rohstoffe dafür bereitgestellt haben, auch leben können. Produkte, die so hergestellt wurden, dass möglichst wenige Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen wurden. Kurz: Produkte, für die weder Mensch noch Natur ausbeutet werden. Als sogenannter reicher Westeuropäer sehe ich mich an dieser Stelle einfach in der Verantwortung.

Doch gerade dieser Wunsch nach einem „guten Leben“, in dem ich fair zu meiner Umwelt bin, führt mich häufiger in scheinbar ausweglose Situationen.


Foto: Henning Bulka. Lizenz: CC-BY-SA 2.0.

„Was suchen eigentlich die weit gereisten Südfrüchte in der Biokiste vom Bauernhof der Region? Macht eine einzeln plastikverpackte, aber biologische Zucchini überhaupt Sinn? […] Der Apfel aus Neuseeland ist Tausende von Kilometern gereist, aber der aus der Region lag vielleicht monatelang im energieintensiven Kühlhaus. Fakt ist: Wenn der Übersee-Apfel nicht mit dem Flugzeug, sondern dem Schiff kommt, hat er eine bessere Ökobilanz als der heimische Konservierte. Aber auf dem Preisschild im Supermarkt finden sich keine Angaben über die Wahl seines Verkehrsmittels.“

Seite 18, enorm 1/2012.
Ausschnitt der Februar/März-Titelstory „Wir Teilzeit-Helden“ von Christiane Langrock-Kögel.

Lokal oder bio?

Aus der selbst gesetzten Verantwortung, fair zu leben, entstehen ganz neue Probleme: Kaufe ich eher die spanischen Bio-Tomaten, die zwar bio sind, für die aber in Almería ganze Landstriche für die Gewächshäuser ausgetrocknet werden? Oder kaufe ich die Tomaten aus den Niederlanden oder Deutschland, die zwar nicht bio und somit nicht auf echter Erde gewachsen sind, dafür aber auch nur weniger als die Hälfte des Weges auf dem Buckel haben?

Diese Liste ist scheinbar unendlich lang: Angefangen bei Südfrüchten, die ich beinahe aus Prinzip nicht mehr kaufe, es sei denn, sie stammen zumindest aus Europa. Weiter geht es mit Fleisch, dass ich zwar versuche, nicht mehr zu essen, und sicher ist mein Konsum deutlich niedriger als bei vielen anderen – trotzdem werde auch ich bei einer Currywurst schwach. Nächster Punkt: Kleidung – hier würde ich gerne mehr Lokales, mehr Bio, mehr fair Gehandeltes kaufen, aber selten finde ich etwas, das mir gefällt, und gleichzeitig zu meinem Geldbeutel passt, und so wird es dann doch wieder H&M.

Scheinbar aussichtslos scheint es auch bei all den elektronischen Begleitern in meinem Alltag zu sein: Zwar schreibt sich Apple mittlerweile auf die Fahnen, bei der Produktion auf Schadstoffe so gut es geht zu verzichten, doch trotzdem werden sich die meisten immer noch an die wegen der schlechten Arbeitsbedingungen von Dächer springenden Fabrik-Mitarbeiter erinnern.

Letzter und schmerzhaftester Punkt seit Kurzem: Milch. Ich habe in den letzten Wochen festgestellt, dass ich laktosefreie Produkte wesentlich besser vertrage. Die kostet etwa so viel, wie Bio-Milch, also das Doppelte dessen, was „normale“ Milch kostet. Doch bio und laktosefrei – das kann ich mir einfach nicht leisten.

Die richtige Balance


Foto: Henning Bulka. Lizenz: CC-BY-SA 2.0.

Gestern sprach ich mit einem Freund über all diese Themen. Er meinte daraufhin, dass das ja irgendwie auch alles Erste-Welt-Probleme wären. Klar, in Teilen schon. Auf der anderen Seite haben meine Kaufentscheidungen eben auch eine Auswirkung auf Zustände an anderer Stelle – Stichwort fair gehandelter Kaffee. Aus ähnlichem Grund bin ich auch überzeugter Naturstrom-Kunde. Weil ich der Meinung bin, dass es einen Unterschied macht, und dass ich so in eine nachhaltigere Zukunft investiere.

Eine Antwort auf all diese Frage wäre es, mir einfach nicht mehr so viele Gedanken zu machen. Doch ich kann meinen Kopf eben nicht einfach abschalten. Es gilt wohl eher, die richtige Balance zu finden, und auch einmal Abstriche beim Gutmensch-Sein zu machen, wenn es die eigenen Mittel nicht anders zulassen – oder wenn es einem in dem Moment einfach hilft, besser durch den weiteren Tag zu gehen und auf diesem Weg ein guter Mensch zu sein.

Der Wunsch, Gutes zu tun, ist da bei mir. Aber häufig scheitere ich an der Umsetzung – entweder an mir, oder an der Welt, in der wir leben. Damit richtig umzugehen, das ist wohl die nächste große Aufgabe für mich.

Wie geht es euch damit?