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Ein Abend mit der #Dügida

Dügida-Demonstration am 12. Januar 2015 in Düsseldorf

Bei manchen Reporteraufträgen weiß man nicht so genau, ob man sich freuen oder weinen soll. Der Montag war so ein Tag. Ich musste oder durfte zur Dügida-Demo, dem mittlerweile nicht mehr offiziellen Pegida-Ableger Düsseldorfs.

Und nein: Mein Auftrag war es nicht, von der Gegendemo zu berichten, die von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis getragen wurden. Ich sollte stattdessen wirklich zur eigentlichen Dügida-Demo. Mitten ins Getümmel, sozusagen. Spätestens am Tag danach wusste ich: Ich muss darüber schreiben. Viele Gedanken sind aber immer noch ungeordnet.

Deshalb hilft es vielleicht erst einmal, den Beitrag zu hören, den ich dazu für Antenne Düsseldorf produziert habe. Er ist entstanden nach 3 Uhr am Morgen nach der Demo, mit ganz vielen frischen Eindrücken*.

Ich habe im Nachhinein einerseits positives Feedback zu meiner Berichterstattung bekommen. Mich hat aber auch ein Teilnehmer angeschrieben und mir vorgeworfen, ich sei nur darauf aus gewesen, fremdenfeindliche Kommentare ins Mikrofon gesagt zu bekommen ohne mich wirklich über die Veranstaltung informiert zu haben.

Wirklich schreckt mich das nicht. Schließlich weiß ich von mir selbst, dass ich zwar sicher mit Vorurteilen zu dieser Demo gegangen bin. Vor Ort habe ich aber wirklich mit offenen Ohren versucht, die Menschen zu verstehen und ihre Geisteshaltung zumindest ansatzweise nachzuvollziehen. Was sonst hätte ich dort tun sollen? Das ist der Grund, weshalb ich Journalist geworden bin.

„Wovor soll ich Angst haben? Das sind auch nur Menschen. Und jeden Tag könnte hier vor der Tür eine Bombe explodieren. Warum sollte also jetzt etwas passieren?“

– Zitat eines Dönerverkäufers am Rande der Dügida-Demonstration

Trotzdem bleibe ich nachdenklich: Was hätte ich besser machen können? Verdammen die Medien wirklich zu Unrecht die Pegida-Demonstranten und ihre Ableger als Nazis? Vergessen wir etwas in dem Bild, das wir zeichnen?

Ich glaube nicht. Sicher: Eine differenzierte Betrachtung tut einem Thema immer gut. Deshalb halte ich es durchaus für notwendig zu hinterfragen, warum Menschen denn auf die Idee kommen, von radikalen Islamisten auf alle Muslime zu schließen. Wenn sie mir auf die Frage nach diesem „Warum?“ aber keine Antwort geben können, dann bleibt genau diese Ratlosigkeit, vor der viele und auch ich gerade stehen. Und wenn sie der Veranstaltung nicht den Rücken kehren, obwohl jemand auf der Bühne sagt „Der Islam tötet“, dann bin ich nicht mehr gewillt, von ihnen den Satz zu akzeptieren „Ich habe grundsätzlich nichts gegen Moslems“.

Ich habe am Montag meinen Abend rund fünf Stunden lang auf der Dügida-Demo verbracht. Das was ich gehört und gesehen habe, hat mich erschreckt und in gewisser Weise auch verstört. Was ich jetzt weiß, ist, dass sich einige dieser Leute durchaus Gedanken darüber machen, was sie sagen und es falsch wäre, sie generell als Nazis abzustempeln.

Was ich aber auch weiß, ist, dass sie keine Lösungen anbieten, die mit der Gesellschaft, in der ich leben möchte, vereinbar sind. Und das werde ich auch weiter genau so deutlich sagen.




* – Nur für alle, die sich wundern: Die O-Töne von der Gegendemo hat eine Kollegin von mir geholt. Ich habe den Beitrag danach aber redaktionell zusammengestellt und produziert.