Schlagwort: Kiel

Radio damals & Radio heute

Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur sind zwei sehr sehr tolle Radiosender, die ich auf keinen Fall missen möchte. Seit Anfang des Jahres haben die beiden altehrwürdigen Damen aber auch ein junges, digitales Schwesterprogramm: DRadio Wissen! Und dort höre ich in den letzten Wochen immer häufiger rein, zwar nicht über den Livestream oder Satellit, aber per Podcast.

Eine der sehr schönen, ungezwungenen Sendungen ist die Redaktionskonferenz. Die geht jeweils werktags um 18.30 Uhr über den digitalen Äther und dauert dann 90 Minuten, in denen meist zwei Moderator_innen, gemeinsam z. B. mit einer/einem der Nachrichtenredakteur_innen und noch einigen Gästen, ein großes Thema besprechen – aufgefrischt durch ein Rätsel zum Hören, (hin und wieder) guter Musik und sehr kurzweiligen Mini-Themen. Das ganze geschieht aber eben nicht in der vermeintlich so staubtrockenen Art und Weise, wie sie den beiden großen anderen öffentlich-rechtlichen Programmen gelegentlich zugeschrieben wird, sondern sehr jung und dynamisch, mit viel Humor und Situationskomik.

In der Sendung vom Dienstag waren zwei der Macher vom Campusradio Kiel zugeschaltet. Neben dem Thema Campusradio ging es auch um die Kieler Woche, die ja noch bis Sonntag in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt stattfindet. Die zwei netten Menschen aus Kiel durften zudem von ihrem neuen Projekt „Spin-Off“ berichten – eine neue Sendung des Campusradios, die abends zwischen 8 und 10 gesendet wird und sich mit der Kieler Musik- und Kulturszene beschäftigt.

Als kleines Hörbeispiel wurde der Beginn der ersten Sendung vorgespielt. Darin tauchte, neben einem kleinen Ausschnitt aus Brechts Radiotheorie, auch ein Schlager der 30er-Jahre auf.

„Ich sitz‘ den ganzen Tag an meinem Radio“ wurde im Jahr 1931 von Willy Rosen (eigentlich: Willy Rosenbaum) gesungen, begleitet wurde er vom Tanzorchester Paul Godwin. Wie man am bürgerlichen Namen erkennen kann, gehörte Willy Rosenbaum zur jüdischen Bevölkerung. Infolgedessen wurde er von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo er 1944 ermordet wurde.

Gerade vor diesem Hintergrund bekommt dieses fröhliche und beschwingte Lied, das so viel Lebensfreude verbreitet, einen ganz neuen Ausdruck (man beachte, wie die Nazis das damals neue Medium Radio über den „Volksempfänger“ für ihre Zwecke instrumentalisierten), und ich höre es mit viel mehr Andacht. Den Liedtext könnt ihr übrigens bei tijdreis-berlijn.info nachlesen.

Soweit dieser kleine Ausflug in die aktuelle Radiolandschaft und die Anfangszeit des Massenmediums Radio. War mir einfach wichtig gerade. Auf bald!

Eine gedankliche Momentaufnahme…

Sonnenuntergang auf Sylt
Sonnenuntergang am Strand nördlich von Hörnum auf Sylt

Diese Woche war ich von Montag bis Freitag auf Sylt, und zwar nicht zum Urlaub machen, sondern für das Abschluss-Seminar des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) 2008/09 in Schleswig-Holstein. Dabei waren wir auf einem traumhaft schön gelegenen Campingplatz am Sylter Ostufer nördlich von Hörnum einquartiert. Die Tage waren eindrucksvoll, und es war schön, all diese mir lieben Menschen noch einmal wiederzutreffen. Fünf Tage, in denen wir nicht nur an spannenden Themen rund um das Wattenmeer gearbeitet haben, sondern in denen wir das vergangene Jahr für uns selbst und in der Gruppe reflektiert haben. Und wir wagten einen Ausblick auf das, was nun auf uns zukommt. Studium, Beruf, Ausbildung, aber manchmal auch Ungewissheit.

Währenddessen stand die Welt um uns herum nicht still, auch wenn es uns vielleicht so schien. Auf Sylt vergisst man die Zeit sehr schnell. Und der Blick für das Schöne und Vollkommene gerät in den Vordergrund. Man denkt nicht mehr so sehr darüber nach, was schief läuft in der Welt, auch wenn das natürlich mit ein Anspruch des FÖJ ist – sich einmischen, sich eine Meinung bilden und diese auch aussprechen. Aber was taten wir? Nur am Rande fielen Begriffe wie „Internetzensur“ oder „CO2-Einlagerung“, die Entwicklungen im Iran wurden nicht ein einziges Mal wirklich angesprochen. Ein Fehler? Nein, es war vielmehr einfach nicht der Ort dafür, nicht der Moment.

Nun, da ich von meinem Aufenthalt auf Sylt zurückgekommen bin, fühle ich mich erschlagen. Ein gewisses Taubheitsgefühl umfängt mich. Das geht mir immer so, wenn ich einige Tage lang aus dem Informationsfluss aussteige, und dann versuche, wieder einzusteigen. Sicher, das ein oder andere Mal habe ich auch auf Sylt einen Blick auf Twitter geworfen, aber das waren nur Momentaufnahmen. Was wirklich alles passiert ist in der Zwischenzeit, habe ich wahrlich als ein riesen Paket an Nachrichten und Bildern vor die Füße geworfen bekommen.

Henning grünStichwort Twitter: mein User-Icon ist dort jetzt mit einem grünen Overlay belegt. Warum? Um meine Unterstützung für die Menschen im Iran zu symbolisieren, die dort derzeit für ihre Freiheit auf die Straße gehen. Von der Aktion erfuhr ich heute Abend über einen Tweet von Hendryk, nachdem ich schon einige eingegrünte User-Icons gesehen hatte. Auf den ersten Blick eine schöne Sache, aber auch wirklich sinnvoll? Ich weiß es nicht.

„Ja, da bummst es bald“ – das meinte heute Abend ein guter Freund zu mir. Gemeint war der Iran. Mich erinnerte dieser Satz an das, was ich über die Stimmung kurz vor dem 9. November 1989 in Deutschland und vor allem in der DDR gehört habe. Als ein Mensch, der zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung als Sohn von zwei ehemaligen DDR-Bürgern geboren wurde, habe ich eine ganz besondere Beziehung zu den Vorfällen, die damals in Deutschland geschahen, und die für die gesamte Welt Bedeutung hatten – das Ende des kalten Kriegs. Heute sind es die Menschen in Teheran, die es satt haben, sich ihr Leben diktieren zu lassen und endlich nicht mehr eingeschränkt leben wollen. Eine, wie ich finde, spannende Parallele. Doch trotzdem unterscheiden sich beide Situationen so fundamental.

Letztlich bin ich eigentlich viel zu unwissend, um meine Gedanken zu dem Thema öffentlich zu machen. Doch es rumorte schon den ganzen Tag in meinem Kopf, und irgendwohin musste ich diese Wut, die sich in mir ausbreitet, entlassen. Oh ja, es macht mich furchtbar wütend, was im Iran geschieht. Wie die Regierung mit den Bürgern dieses Landes umgeht. Wie religiöse Führungspersonen im Namen ihres Gottes das Volk mit Füßen treten. Und wozu führte diese Wut heute Abend bei mir?

Ich habe mir „Mars Attacks!“ von Tim Burton auf RTL II angesehen. Ja, wirklich, an einem Tag, an dem so viel geschehen ist, gegen das man eigentlich aufstehen und auf die Straße gehen müsste, lag ich vor dem Fernseher und ließ mich berieseln. Habe ich falsch gehandelt? Ich weiß es nicht. Was hätte ich schon tun sollen? Nach Kiel fahren und mich mit einem Pappschild mit der Aufschrift „Free Iran“ auf die Straße stellen? Komische Blicke hätte ich geerntet, von all den Leuten, die zur Zeit in Kiel zum größten Volksfest Nordeuropas zusammenkommen.

Ja, es ist Kieler Woche 2009. In Feierlaune bin ich nicht. Aber da zeigt sich wieder einmal eine der vielen perversen Seite unserer Welt. An vielen Orten der Erde steht die Bevölkerung für ihre Freiheit ein, und diejenigen, die diese Freiheit schon haben, machen sich einen Lenz. Darf man diese Menschen dafür verurteilen, dass sie ihre Möglichkeiten so ausleben und dafür vielleicht vor anderen Dingen, die unrecht sind, die Augen verschließen? Dafür, dass sie wegschauen, dass sie ihr eigenes kleines Leben für wichtiger erachten? Nein, denn so sind wir Menschen nun einmal. Wir haben einen beschränkten Horizont, und von Zeit zu Zeit muss jeder einmal runterkommen und den Blick für das für einen persönlich Relevante wiedergewinnen.

Nichtsdestotrotz macht es mich wütend. Ja, es macht mich wütend und traurig, dass heute in Kiel die Menschen nicht für die Freiheit der Iranerinnen und Iraner auf die Straße gingen, sondern um Spaß zu haben. Es wirkte für mich kurzzeitig auch ignorant, dass die Mitarbeiter des Gettorfer Supermarktes heute nichts anderes zu tun hatten, als ihren Filialchef zu verabschieden. Die Welt dreht sich für jeden unterschiedlich schnell. Und ich kann niemanden dafür verurteilen wenn er darüber den Rhythmus der anderen aus den Augen verliert.

Himmel über Teheran
Himmel über Teheran | Foto: Hamed Saber

Heute Abend klebten die Massen der Fernsehzuschauer wohl auch vor den Bildschirmen, um einen Boxkampf auf RTL zu verfolgen. Mit Abstand betrachtet mag das pervers wirken. Da schauen sie zu, wie sich zwei erwachsene Männer für Geld prügeln, und an einem anderen Fleck auf der Welt schlagen sich die Menschen nicht für Geld, sondern für ihr Leben, für ihre Freiheit. Da ist der Kampf ganz real, die Gewalt die volle Wirklichkeit. Ich schaute mir vorhin die „Tagesschau in 100 Sekunden“ an. Dort fand der Boxkampf keine Erwähnung.

Vielleicht sind wir wirklich in einer Schockstarre. Vielleicht verschließen wir unsere Augen, um uns selbt zu schützen. Vielleicht auch aus Ignoranz. Mir gehen gerade die Worte aus. Und ich glaube, dieser Text ist sehr verworren. Er ist eine Momentaufnahme eines verwirrten Kopfes. Verwirrt von der Welt und von den Köpfen, die in ihr leben.

Frieden für die Menschen im Iran.
Frieden für die Welt.
Das ist alles, was ich mir wünsche.

Starbucks kommt nach Kiel!

Ja, es ist der Wahrheit! Starbucks kommt nach Kiel mit einer richtig echten gar nicht so kleinen Filiale. Wie man auf dem Foto schon erkennen kann, ist das Gebäude dreieckig angelegt. Ein Freund meinte zu mir, dass er vor ca. einem Monat auch schon eine dreieckige Starbucks-Filiale in Beijing in China gesehen habe. Wer weiß, ist das vielleicht das neue Raumkonzept? Wir dürfen gespannt sein.

Ich freue mich zumindest schon sehr auf den neuen großartigen Coffeeshop in Kiel, Starbucks ist halt doch immer etwas Besonderes.

Im Übrigen, wer einen Job als Barista o. Ä. sucht, der kann schon jetzt einmal dort vorbeischauen, an den zugeklebten Fenstern hängt nämlich Richtung Ampel ein Schild mit Ansprechpartner sowie Adresse und Telefonnummer für Bewerbungen. Schaut einfach mal vorbei, die neue Filiale findet sich am Berliner Platz in Kiel.

Moin moin!


Blick auf die Kieler Förde
 
Tjaja, ich begrüße dich, lieben ehrenwerten Leser, ganz herzlich auf meinem neuen und frischen Blog. Diesmal ist der Grund für die Erschaffung eben dieses Blogs aber mitnichten, wie so oft bei mir, an Langeweile geknüpft, sondern vielmehr in der Tatsache begründet, dass sich bei mir und meinen Lebensumständen in den letzten eineinhalb Monaten sehr viel geändert hat.

Denn ich lebe nicht mehr, wie früher einmal, in Leipzig im schönen Sachsen sondern weit oben im Norden, sogar noch nördlich von Kiel und damit „nördlich vom Kanal“, nämlich vom Nord-Ostsee-Kanal, den ich jedes Mal kreuze, wenn ich von meinem neuen Zuhause nach Kiel fahre.

Falls du noch nie hier oben warst oder zumindest keine genaue Ahnung von der Geografie Norddeutschlands hast, hier eine kleine Hilfestellung von meinem Freund Google Maps:

Mein neues Zuhause!

Tja, da lebe ich nun, zwischen Tier und Strand, wie es ein lieber Freund kürzlich beschrieb, nämlich im schönen Revensdorf, vier Kilometer entfernt von der nächsten Bahnstation, die da ist in Gettorf, einem kleinen Städtchen mit knapp 7.000 Einwohnern und gleichzeitig die größte Stadt auf dem Dänischen Wohld, einer Halbinsel zwischen Kiel und Eckernförde. Und dort, ganz zentral in der Mitte dieser beiden Städte, also in Gettorf, arbeite ich jetzt auch – im Tierpark Gettorf, genauer gesagt im Förderverein dieses Tierparks, der sich da nennt „Freunde des Tierparks Gettorf e. V.“. Doch dort arbeite ich nicht einfach so, sondern leiste dort meinen Zivildienst in Form eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ).

Von all diesen Dingen, also meinem neuen Zuhause und meiner Arbeit und allem was mir sonst noch so passiert in diesem Jahr, möchte ich dir, liebem Leser, in diesem Blog berichten. Viel Spaß dabei und denk daran: über Meinungen von dir freue ich mich immer!

Bis bald!