Schlagwort: Karl-Theodor zu Guttenberg

Was ich schon immer einmal zur „Twitter- und Facebook-Generation“ sagen wollte.


Die typischen Digital Natives von heute. Oder so. | Foto: Thomas Angermann (CC BY-SA 2.0)

Nun denn, da hat also mal wieder jemand von der WAZ einen Bock geschossen. Genauer gesagt: der Kollege Dirk Hautkapp, und zwar in einem Artikel mit dem nichts Gutes vermuten lassenden Titel: „Wird zu Guttenberg nun aus dem Amt getwittert?“

In eben jenem Artikel dreht es sich, wie so ziemlich alle Internettexte dieser Tage in den „alten Medien“, um die Plagiats-Affäre rund um Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (ich kommentierte). Genauer gesagt nimmt sich Hautkapp der frisch aus dem Boden gestampften Plattform „GuttenPlag Wiki“ an, wo derzeit viele verschiedene Menschen die Doktorarbeit des Freiherrn unter die Lupe nehmen und auf Stellen untersuchen, an denen er abgeschrieben hat. Soweit so gut. Ich würde es als einen „klassischen“ Fall neuer Mediennutzung einordnen – ganz spannend, aber auch nicht wirklich diskussionswürdig.

Anders sieht das da Herr Hautkapp:

„Die Twitter- und Facebook-Generation ist gerade dabei, ihren Helden ‚KT‘ zu entzaubern. Zu Hunderten suchen die User nach weiteren Plagiaten in der Doktorarbeit des Verteidigungsministers.“

Und weiter:

„‚Eine Karriere scheinbar aus dem Nichts. Der erste deutsche Spitzenpolitiker der Twitter- und Facebook-Generation.‘ Worte von Alt-Außenminister Joschka Fischer. Geschrieben zu einer Buchvorstellung über das Phänomen Karl-Theodor zu Guttenberg nächste Woche. Die Sätze transportieren bittere Ironie. Die Twitter- und Facebook-Generation ist gerade dabei, ihren Helden ‚KT‘ zu schreddern.“

Ich weiß ganz ehrlich nicht, wo der Kollege Hautkapp das alles her hat. Nicht nur das mit der „Twitter- und Facebook-Generation“, sondern auch ganz allgemein. Ich möchte dazu gerne zwei Dinge klarstellen.

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Das Ding mit dem Hinterfragen.


Verteidigungsminister zu Guttenberg steht (einmal mehr) in der Kritik. | Foto: Junge Union Deutschlands

Nachdem Karl-Theodor zu Guttenberg in den vergangenen Wochen schon mehrmals in der Kritik stand, wohl auch berechtigterweise, gibt es nun einen weiteren Sturm der Entrüstung. Und dem dreht es sich um die Doktorarbeit des Bundesverteidigungsministers. Bei der handele es sich nämlich, laut dem Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano, um „ein dreistes Plagiat“ und „eine Täuschung“ – so die heutige Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Online wird sogar anhand einer Flash-Animation gezeigt, wo der Herr Freiherr überall geschummelt haben soll. Soweit so schön.

Während die „Tagesschau“ letztlich die Inhalte der „SZ“ wiedergibt, ebenso wie „RP ONLINE“ (natürlich mit dem Hinweis, dass das ja mittlerweile Gang und Gäbe sei bei Studenten von heute), macht sich zumindest die „taz“ die Mühe, wenigstens einmal darauf hinzuweisen, dass Herr Prof. Lescano gar nicht mal der Erste ist, der ein Plagiat in zu Guttenbergs Arbeit festgestellt hat:

„Der Münsteraner Doktorand Michael Schwarz hat schon im letzten Sommer einen (bislang unveröffentlichten) Aufsatz geschrieben, in dem er zu Guttenberg an vier Stellen wortwörtliche Übernahmen aus einem Aufsatz des Tübinger Rechtsprofessors Martin Nettesheim nachweist. Die Analyse von Michael Schwarz liegt der taz vor.“

Nun, eine Frage, die sich mir jedoch stellte, nachdem ich die Geschichte von den Vorwürfen sah (und erst einmal dachte: „Ja, und?!“), war: Wer ist eigentlich dieser so viel zitierte Professor Andreas Fischer-Lescano? Und warum überprüft er zu Guttenbergs Dissertation?

Zu letzterer Frage lautet die Antwort der „SZ“, er habe „die Parallelen mit anderen Texten bei einer Routineprüfung entdeckt“. Ah ja. An anderer Stelle ist auch noch etwas von einer Rezension zu lesen, die er über die Arbeit habe schreiben wollen. Ich will ihm das mal glauben. Nicht so wirklich glauben will ich ihm jedoch, dass hinter dem Öffentlichmachen, und aus meiner Sicht auch Aufbauschen seines Funds, kein politisches Kalkül steckte. An dieser Stelle komme ich nämlich zur Antwort auf meine erste Frage:

Sicher, Andreas Fischer-Lescano ist Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität Bremen, das will ich ihm auch mitnichten absprechen. Spannend finde ich jedoch, dass er vom Blog „Lafontaines Linke“ als „erklärter Linker“ beschrieben wird (was natürlich erst einmal nichts heißen muss), und dass er Gründungsmitglied des „Instituts Solidarische Moderne“ ist.

Das alles ist nichts Schlimmes, bei Weitem nicht, und ich begrüße es sogar sehr, wenn Professoren nicht nur in ihrem eigenen Sud an ihrer eigenen Uni kochen (wie ich es selbst teilweise erlebe), sondern sich einmischen und am politisch-gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen. Doch eine gewisse Einordnung seiner Person unabhängig von seinem akademischen Grad würde ich mir dann seitens der diversen Medien doch wünschen – schließlich ist er der Ausgangspunkt für den Entrüstungssturm, der gerade über zu Guttenberg hereinbricht.

Ich will gar nicht sagen, dass Herr Prof. Fischer-Lescano seine Anschuldigungen erfunden hat, und es mehren sich ja auch die Hinweise anderer Wissenschaftler, die ebenfalls auf ein vorliegendes Plagiat hinweisen. Doch einfach so nachzuplappern, was ein Professor sagt – nur weil er Professor ist? Ich weiß nicht.

Mir persönlich ist es, um ehrlich zu sein, relativ egal, ob Herr zu Guttenberg in seiner Doktorarbeit ein oder zwei Seiten abgeschrieben hat. Und selbst wenn er „seinen Verfassungsbegriff ‚nicht hinreichend‘“ entwickelt hat und „weit hinter der wissenschaftlichen Diskussion“ zurückbleibt, dann ist das zwar schlecht für ihn, aber mir als Bürger erst einmal relativ unwichtig, so lang er in seinem Ressort, dem des Bundesverteidigungsministeriums, fachlich sauber handelt und entscheidet – und das sollte doch eher Gegenstand einer Diskussion sein, gerade in den Medien.

Die Vorwürfe gegen zu Guttenberg sind wahrscheinlich berechtigt, und es ist auch in Ordnung ihn dafür zu kritisieren. Aber die Sau, die gerade einmal mehr durchs Mediendorf getrieben wird, rechtfertigt dies nicht.