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Alles neu bei DRadio Wissen: Ein erster Aircheck nach dem Relaunch

Heute Morgen hat bei mir sehr früh der Wecker geklingelt, zumindest für eine Urlaubswoche. Um Punkt 6.29 Uhr sprang mein Radiowecker an, um eine Minute später, um 6.30 Uhr, gemeinsam mit mir das neue DRadio Wissen in Empfang zu nehmen.

Monate haben die Macherinnen und Macher am Relaunch geschraubt. Heute Morgen war Showtime, für die erste Ausgabe der neuen Morgen-Sendung „Schaum oder Haase“, diesmal mit Marlis Schaum. Bis 10 Uhr habe ich aktiv zugehört, und hier mal meine ersten Gedanken aus Radiomacher-Sicht aufgeschrieben.

Die Themen

Aus Nachrichtensicht war heute die Entscheidung für ein Schwerpunktthema nicht schwer: die Lage in Kiew und der Ukraine war auch bei DRadio Wissen bestimmend. Dabei wurde das Thema neben den Nachrichten ganz verschieden gedreht: mal mit dem Sendungs-Reporter im Studio und dem Netz, mal mit der Nachrichtenredakteurin, mal mit dem Korrespondenten vor Ort – und auch über ein Telefoninterview mit einem Augenzeugen.

Grafik: Deutschlandradio (Flyer zum Relaunch von DRadio Wissen)

Grafik: Deutschlandradio (Flyer zum Relaunch von DRadio Wissen)

Spannend fand ich, wieviele andere kleinere Themen DRadio Wissen ebenfalls auftauchten, zum Beispiel:

  • Leverkusen vs. St. Germain im Rückblick
  • Sichere Passwörter per Ultraschall
  • Vorschau auf den Olympia-Tag in Sotschi
  • Navi für den Supermarkt
  • Neureuther: Wie gehen Sportler mit Schmerzgrenzen um?
  • Deutsches Brot als Weltkulturerbe?
  • Faszination Netflix

Das ist – zusätzlich zu den Wissensnachrichten jeweils um viertel vor – schon eine ganze Menge an Themen. Die Stücke waren allesamt hörenswert, natürlich etwas abhängig vom persönlichen Geschmack. Mir persönlich war es aber etwas zu bunt – beispielsweise zu den neuen Entwicklungen in der Causa Edathy hätte ich mir doch ein bisschen mehr gewünscht. Das Thema tauchte nur in den Nachrichten auf.

Spannend dabei: Um halb werden die ersten drei „großen“ Themen nur angerissen, darauf folgt dann ein längerer Block mit kurioseren Nachrichten („Und sonst in der Welt?“). Ich bin gespannt, ob mir das in Kombination mit dem bunten Programm nicht doch etwas zu wenig Info auf Dauer sein wird.

Das Format

Das neue Sendeschema von DRadio Wissen. Grafik: Deutschlandradio

Das neue Sendeschema von DRadio Wissen. Grafik: Deutschlandradio

DRadio Wissen ist jetzt viel stärker formatiert, als vorher. Die Stücke sind jeweils geschätzt rund drei bis vier Minuten lang. Das ist zwar fast doppelt so lang als etwa bei meinem Heimatsender Antenne Düsseldorf, passt aber wohl auf eine junge anspruchsvolle Zielgruppe. Die Taktzahl ist trotzdem hoch und lässt das Programm sehr dynamisch wirken. Unterstützt wird das durch die neue, sehr moderne und junge Verpackung, die DRadio Wissen bekommen hat. Es gibt jetzt Musikbetten, Opener und andere Jingles. Dadurch wird auch die Struktur klarer.

Gleichzeitig lassen sich die Macher nicht von der neuen Stundenuhr einschüchtern. So gab es beim Live-Interview nach Kiew erst technische Probleme. Das sprengte das Timing auf halb bis zu den nächsten Nachrichten. Marlis Schaum nutzte das dann aber einfach aus und führte das Interview, bis es ungefähr 8.30 Uhr war. Dann hat sie direkt an die News übergeben. Diese Flexibilität macht Spaß und hat mich gerade aus Macher-Sicht überzeugt.

Was mir aufgefallen ist: In der 9-Uhr-Stunde wurden doch einige Themen wiederholt, was auch völlig okay ist. Niemand hört im Normalfall so lange dauerhaft zu, wie ich heute Morgen. Gleichzeitig wurde selbst diese Wiederholung aufgefangen, durch den Live-Sendungsreporter – heute Sebastian Sonntag –, der Marlis Schaum die ganze Sendung über begleitet hat. Eine schöne Idee!

Die Musik

Das ist ja überhaupt die Neuigkeit: Bei DRadio Wissen gibt es jetzt Musik! Der Schwerpunkt auf spaciger aber manchmal schwer verträglicher elektronischer Musik ist Geschichte – es lebe Indie-Alternative-Pop-Rock! Wohl ihr mal reinhören? Hier fast alle Tracks der ersten Ausgabe von „Schaum oder Haase“:

Ich finde den Klang frisch und angenehm, natürlich polarisiert Musik aber auch. Ich glaube, dass DRadio Wissen mit der Musikfarbe definitiv eine Lücke besetzt – gerade in Kombination mit den hochwertigen Inhalten. Spannend wird sein, wie hoch die „Hot Rotation“ im Zweifelsfall ist, also wie häufig ein Titel maximal am Tag läuft.

Die Website

Was wäre ein Relaunch beim Digitalradio ohne eine neue Website? DRadioWissen.de wurde ebenfalls komplett neu gestaltet. Tschüss Kacheloptik, her mit einem klaren neuen Layout. Ich finde mich dort jetzt wesentlich besser zurecht. Vorher habe ich mich oft fast ein bisschen verlaufen auf der Website. Jetzt gibt es eine klare, mitlaufende Navigation. Und, was mich besonders freut: Die Website ist responsiv!

Screenshot vom Live-Blog zu „Schaum oder Haase“ auf DRadioWissen.de

Screenshot vom Live-Blog zu „Schaum oder Haase“ auf DRadioWissen.de

Eine Besonderheit haben sich die Macher auch noch einfallen lassen: Zur Sendung gibt es jetzt jeweils ein Live-Blog. Dieses wird aktuell befüllt – mit Links, Bildern oder Gesprächen zum Nachhören. Dafür gibt es parallel zur Sendung jeweils einen eigenen Reporter, der sich um das Blog kümmert. Das ist nicht nur ein sehr dynamisches Tool, sondern macht eine aufwendige Mediathek fast überflüssig.

Was Felix da schreibt, finde ich aber auch völlig richtig. Heute Morgen ging es zum Beispiel um das (Frühstücks-)Brot – warum dann nicht ein entsprechendes Foto vom Frühstück im Studio posten? Aber es war ja auch erst die Premiere. Zum Glück lässt sich so etwas ja sehr leicht ausprobieren. (Update: Zumindest auf Facebook gibt es Bilder von der ersten Show!)

Das Fazit

Um meinen #biertalk-Kollegen Julian Heck zu zitieren: „Fazit? Seid ihr verrückt?“ Der Höreindruck bei mir ist noch frisch. Wie sich DRadio Wissen in den anderen Sendestrecken präsentiert und in den nächsten Tagen und Wochen entwickelt, ist noch völlig offen.

Das, was ich bisher gehört habe, macht mir aber definitiv Lust auf mehr. Das Programm bietet einen frischen Mix aus guter, junger Musik und bunten wie auch ernsteren Themen. „Anspruchsvolles Radio für eine junge Zielgruppe machen“ – diesen Vorsatz erfüllt DRadio Wissen bisher aus meiner Sicht.

Einige Wünsche habe ich trotzdem: Traut euch, doch etwas mehr Politik in die Morgenschiene zu holen! Spielt keine Lieder tot, auch wenn sie gut sind! Bringt von der Persönlichkeit, die ihr im Radio vermittelt, noch mehr ins Netz!

Also, wir hören uns!

„Sind die Kleinen nicht süß?!“


Zwei Kinder beim Schwäne gucken. Foto: Alex Berger. Lizenz: CC BY-NC 2.0.

Beim IT-Magazin Golem.de erschien heute ein Artikel, den ich eigentlich eher im Gesellschaftsteil von ZEIT Online erwartet hätte. Im Beitrag geht es um eine Schule, die mehrere Grundschulkinder von einer Unterrichtsstunde mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen hat, weil deren Eltern nicht wollten, dass Bilder ihrer Kinder danach auf Facebook gestellt werden. Daraus ergibt sich in der Folge eine Diskussion über das Für und Wider von Kinderbildern im Netz, und Datenschützer schimpfen – natürlich – auf das böse Facebook.

Ich glaube, Facebook ist nicht das Problem. Unwissende und damit häufig leider unverantwortlich handelnde Eltern sind das Problem. Schon im Online-Talk bei DRadio Wissen vom 29. Januar wurde das Thema Kinderbilder und ihre Veröffentlichung in Blogs und sozialen Netzwerken im Internet diskutiert, wenn auch nur leicht angeschnitten. Tenor dabei: Es ist schlicht nicht fair den Kindern gegenüber, Bilder von ihnen zu veröffentlichen, schon gar nicht in diesem Internet, das zwar weder gut noch böse, dafür aber nunmal ziemlich unberechenbar ist. Ich glaube Franzi erwähnte in der Runde ihre Praxis, wenn dann Bilder auszuwählen, auf denen ihr Kind nicht klar zu identifizieren ist – also zum Beispiel ein Foto wie das über diesem Blogeintrag.

Ich habe das Gefühl, dass das Thema „Privatsphäre unserer Kinder“ weithin unterschätzt wird. Gefühlte Millionen von Eltern stellen Bilder ihrer Kinder in die Galerien ihrer Profile in sozialen Netzwerken. Eine Freundin erzählte mir kürzlich sogar von einem Beispiel, in dem eine US-amerikanische DIY-Bloggerin ihre selbst hergestellten Produkte zusammen mit ihren Kindern fotografiert. Es seien schöne Bilder, keinesfalls peinlich, sondern gut ausgeleuchtet und professionell inszeniert. Das tut jedoch nichts zur Sache, glaube ich. Und ich glaube auch gar nicht, dass jene Bloggerin eine schlechte Mutter ist. Das Problem liegt an anderer Stelle.

Wenn es bereits Fälle gibt, in denen der eine die andere verklagt, weil sie ein Partybild von ihm online postet – was sagen dann erst diese Kinder, wenn sie – wahrscheinlich mitten in der Pubertät – feststellen, dass ihre Eltern pausenlos Fotos von ihnen veröffentlicht haben? Sicher, Post-Privacy-Befürworter werden entgegnen, dass so etwas in zehn Jahren ja gar kein Verstoß gegen die Privatsphäre mehr sondern vollkommen normal sein wird. Aber wissen wir das mit Sicherheit?

Es liegt in der Verantwortung der Eltern, ihre Kinder zu schützen. Dazu zählt auch der Schutz ihrer Privatsphäre. Verbote, wie sie Thilo Weichert im Golem.de-Artikel andeutet, helfen da glaube ich gar nichts. Es geht darum – wie so oft – ein Bewusstsein zu schaffen. Kinder gehören ihren Eltern nicht, sondern Eltern haben die Pflicht, sich um ihre Kinder zu kümmern und Sorge für sie zu tragen.

Bilder, auf denen ein Kind klar zu erkennen sind, auf Facebook, Google+, Flickr, in Blogs oder sonst wo zu veröffentlichen, geht meiner Meinung gar nicht. Ob Eltern es trotzdem tun, liegt in ihrer Entscheidungsmacht, genauso wie etwa die Entscheidung, ihr Kind zu einem Werbe-Foto-Shooting zu geben. Trotzdem sollten sie vorher dreimal überlegen, ob sie ihrem Kind damit wirklich etwas Gutes tun.

Einschaltbefehl: „DRadio Wissen“ Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler

Heute Abend geht es aber wirklich Schlag auf Schlag mit den Beiträgen. Das hier soll jedoch nur ein kurzer Hinweis sein auf Eure morgige Vormittagsgestaltung, dann werdet Ihr nämlich um 11.00 Uhr ganz digitalerweise DRadio Wissen einschalten, und dem ersten Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler zum Thema „Krisenjournalismus: Nähe per Mausklick“ lauschen. Das beschließe ich jetzt so ;)

Frohes Hören und vielleicht auch Mitmachen! :)

Die digitale Zukunft des Radios


Das Küchenradio unserer WG

Ich liebe Radio. Dieses Medium ist so unglaublich vielfältig, und bietet so viele Möglichkeiten – seine Zukunft als Medium und Format an sich ist glaube ich gesichert, und daran zweifelt auch niemand. Die steigenden Hörer_innenzahlen sprechen für sich.

Trotzdem wandelt schon seit Jahren ein großes Thema durch die Radiolanschaft, und dabei geht es weniger um das Programm und die Inhalte, als eher um die Technik, Stichwort Digitalradio bzw. DAB+. Doch da geht es nicht wirklich voran. Warum ist das so? Der Versuch einer Erklärung und Analyse.

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Radio damals & Radio heute

Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur sind zwei sehr sehr tolle Radiosender, die ich auf keinen Fall missen möchte. Seit Anfang des Jahres haben die beiden altehrwürdigen Damen aber auch ein junges, digitales Schwesterprogramm: DRadio Wissen! Und dort höre ich in den letzten Wochen immer häufiger rein, zwar nicht über den Livestream oder Satellit, aber per Podcast.

Eine der sehr schönen, ungezwungenen Sendungen ist die Redaktionskonferenz. Die geht jeweils werktags um 18.30 Uhr über den digitalen Äther und dauert dann 90 Minuten, in denen meist zwei Moderator_innen, gemeinsam z. B. mit einer/einem der Nachrichtenredakteur_innen und noch einigen Gästen, ein großes Thema besprechen – aufgefrischt durch ein Rätsel zum Hören, (hin und wieder) guter Musik und sehr kurzweiligen Mini-Themen. Das ganze geschieht aber eben nicht in der vermeintlich so staubtrockenen Art und Weise, wie sie den beiden großen anderen öffentlich-rechtlichen Programmen gelegentlich zugeschrieben wird, sondern sehr jung und dynamisch, mit viel Humor und Situationskomik.

In der Sendung vom Dienstag waren zwei der Macher vom Campusradio Kiel zugeschaltet. Neben dem Thema Campusradio ging es auch um die Kieler Woche, die ja noch bis Sonntag in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt stattfindet. Die zwei netten Menschen aus Kiel durften zudem von ihrem neuen Projekt „Spin-Off“ berichten – eine neue Sendung des Campusradios, die abends zwischen 8 und 10 gesendet wird und sich mit der Kieler Musik- und Kulturszene beschäftigt.

Als kleines Hörbeispiel wurde der Beginn der ersten Sendung vorgespielt. Darin tauchte, neben einem kleinen Ausschnitt aus Brechts Radiotheorie, auch ein Schlager der 30er-Jahre auf.

„Ich sitz‘ den ganzen Tag an meinem Radio“ wurde im Jahr 1931 von Willy Rosen (eigentlich: Willy Rosenbaum) gesungen, begleitet wurde er vom Tanzorchester Paul Godwin. Wie man am bürgerlichen Namen erkennen kann, gehörte Willy Rosenbaum zur jüdischen Bevölkerung. Infolgedessen wurde er von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo er 1944 ermordet wurde.

Gerade vor diesem Hintergrund bekommt dieses fröhliche und beschwingte Lied, das so viel Lebensfreude verbreitet, einen ganz neuen Ausdruck (man beachte, wie die Nazis das damals neue Medium Radio über den „Volksempfänger“ für ihre Zwecke instrumentalisierten), und ich höre es mit viel mehr Andacht. Den Liedtext könnt ihr übrigens bei tijdreis-berlijn.info nachlesen.

Soweit dieser kleine Ausflug in die aktuelle Radiolandschaft und die Anfangszeit des Massenmediums Radio. War mir einfach wichtig gerade. Auf bald!