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„Sind die Kleinen nicht süß?!“


Zwei Kinder beim Schwäne gucken. Foto: Alex Berger. Lizenz: CC BY-NC 2.0.

Beim IT-Magazin Golem.de erschien heute ein Artikel, den ich eigentlich eher im Gesellschaftsteil von ZEIT Online erwartet hätte. Im Beitrag geht es um eine Schule, die mehrere Grundschulkinder von einer Unterrichtsstunde mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen hat, weil deren Eltern nicht wollten, dass Bilder ihrer Kinder danach auf Facebook gestellt werden. Daraus ergibt sich in der Folge eine Diskussion über das Für und Wider von Kinderbildern im Netz, und Datenschützer schimpfen – natürlich – auf das böse Facebook.

Ich glaube, Facebook ist nicht das Problem. Unwissende und damit häufig leider unverantwortlich handelnde Eltern sind das Problem. Schon im Online-Talk bei DRadio Wissen vom 29. Januar wurde das Thema Kinderbilder und ihre Veröffentlichung in Blogs und sozialen Netzwerken im Internet diskutiert, wenn auch nur leicht angeschnitten. Tenor dabei: Es ist schlicht nicht fair den Kindern gegenüber, Bilder von ihnen zu veröffentlichen, schon gar nicht in diesem Internet, das zwar weder gut noch böse, dafür aber nunmal ziemlich unberechenbar ist. Ich glaube Franzi erwähnte in der Runde ihre Praxis, wenn dann Bilder auszuwählen, auf denen ihr Kind nicht klar zu identifizieren ist – also zum Beispiel ein Foto wie das über diesem Blogeintrag.

Ich habe das Gefühl, dass das Thema „Privatsphäre unserer Kinder“ weithin unterschätzt wird. Gefühlte Millionen von Eltern stellen Bilder ihrer Kinder in die Galerien ihrer Profile in sozialen Netzwerken. Eine Freundin erzählte mir kürzlich sogar von einem Beispiel, in dem eine US-amerikanische DIY-Bloggerin ihre selbst hergestellten Produkte zusammen mit ihren Kindern fotografiert. Es seien schöne Bilder, keinesfalls peinlich, sondern gut ausgeleuchtet und professionell inszeniert. Das tut jedoch nichts zur Sache, glaube ich. Und ich glaube auch gar nicht, dass jene Bloggerin eine schlechte Mutter ist. Das Problem liegt an anderer Stelle.

Wenn es bereits Fälle gibt, in denen der eine die andere verklagt, weil sie ein Partybild von ihm online postet – was sagen dann erst diese Kinder, wenn sie – wahrscheinlich mitten in der Pubertät – feststellen, dass ihre Eltern pausenlos Fotos von ihnen veröffentlicht haben? Sicher, Post-Privacy-Befürworter werden entgegnen, dass so etwas in zehn Jahren ja gar kein Verstoß gegen die Privatsphäre mehr sondern vollkommen normal sein wird. Aber wissen wir das mit Sicherheit?

Es liegt in der Verantwortung der Eltern, ihre Kinder zu schützen. Dazu zählt auch der Schutz ihrer Privatsphäre. Verbote, wie sie Thilo Weichert im Golem.de-Artikel andeutet, helfen da glaube ich gar nichts. Es geht darum – wie so oft – ein Bewusstsein zu schaffen. Kinder gehören ihren Eltern nicht, sondern Eltern haben die Pflicht, sich um ihre Kinder zu kümmern und Sorge für sie zu tragen.

Bilder, auf denen ein Kind klar zu erkennen sind, auf Facebook, Google+, Flickr, in Blogs oder sonst wo zu veröffentlichen, geht meiner Meinung gar nicht. Ob Eltern es trotzdem tun, liegt in ihrer Entscheidungsmacht, genauso wie etwa die Entscheidung, ihr Kind zu einem Werbe-Foto-Shooting zu geben. Trotzdem sollten sie vorher dreimal überlegen, ob sie ihrem Kind damit wirklich etwas Gutes tun.

Google vereint sich mit sich selbst

Ab 1. März ändern sich die Datenschutzbedingungen für alle Dienste von Google – also etwa für Google Mail, die Suche, YouTube, Google Docs, und so weiter.

Das Besondere dabei: Ab diesem Zeitpunkt gibt es nur noch eine einzige Datenschutzerklärung für alle Google-Dienste, die so noch weiter unter einem gemeinsamen Dach vereinigt werden sollen. Was so einfach klingt, zieht jedoch auch einiges andere nach sich.

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NRW-Streit: Videoüberwachung in Taxis?


Dauerhafte Videoüberwachung – ein sinnvoller Schutz der Fahrer_innen? Foto © Martin Gapa / pixelio.de

Videoüberwachung in allen Taxis in Düsseldorf und NRW – damit wollen die Taxibetreiber ihre Fahrer_innen besser vor Übergriffen durch Fahrgäste schützen und die Aufklärung solcher Vorfälle erleichtern. Klar, dass das nicht nur auf Gegenliebe stößt.

Die Thematik und der Streit darum waren einer der Schwerpunkte gestern Morgen bei Antenne Düsseldorf. Für die zwei Programm- und mehrere Nachrichtenstücke habe ich mit den beiden Düsseldorfer Taxibetreibern Rheintaxi und Düsseldorf Taxi telefoniert, und außerdem mit dem Landesdatenschutzbeauftragten in NRW, Ulrich Lepper, gesprochen.

Hier zum Einstieg ins Thema das Kollegengespräch von 7.07 Uhr am 22.12.2011 auf Antenne Düsseldorf, in dem ich mit Morgenmoderatorin Tanja Marschal über die Details und Argumente des Streits gesprochen habe.

Die Diskussion ist aber nicht nur ein Düsseldorfer Thema, sondern findet momentan für ganz NRW statt. Aufmerksam wurde unser CvD nämlich auf den Streit durch eine DPA-Meldung, die den Vorsitzenden des Taxi-Verbands NRW mit der Forderung nach einer dauerhaften Videoüberwachung in Taxis zitierte.

Doch noch einmal ganz von vorne: Wie kommen die Datenschützer und Taxibetreiber eigentlich auf die Idee einer Videoüberwachung in Taxis? Hintergrund ist ein Feldversuch in Bremen, bei dem der Einsatz von Videoüberwachung laut Taxi-Verband NRW die Anzahl der Übergriffe auf fast Null senken konnte – und fanden doch Angriffe auf Fahrer_innen statt, dann wurden sie schnell aufgeklärt. Klingt alles nach deutlichen Argumenten für eine 24-Stunden-Videoüberwachung in Taxis – wenn die Daten nach kurzer Zeit automatisch wieder gelöscht würden und nur die Behörden im Falle eines Übergriffs darauf Zugriff hätten.

Doch natürlich sind die Einwände der Datenschützer im Düsseldorfer Kreis ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Schließlich entstünde so eine große Anzahl von Videodaten zumeist unbescholtener Bürger. An dieser Stelle kam von Taxibetreiberseite das beinahe klassische Argument: Wer nichts Schlimmes tut, hat doch auch nichts zu verbergen!

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Phonedeck: Assistenz fürs Smartphone

Mir ist mal wieder ein Startup aus Berlin in die digitalen Hände gefallen: Phonedeck. Das Prinzip ist einfach: Mit einer App auf eurem Smartphone verknüpft ihr die Telefon- und SMS-Funktion mit der Cloud, und könnt dann bequem vom Browser aus darauf zugreifen. Das heißt im Klartext: Kontakte organisieren, SMS schreiben, Rückruferinnerungen einstellen oder auch Anrufe tätigen – dazu müsst ihr euer Smartphone dann nur noch ans Ohr halten. Dazu kommen schicke Anruf-Statistiken und die Möglichkeit, euer Smartphone kurz läuten zu lassen, damit ihr es auf dem unaufgeräumten Schreibtisch wiederfindet.

Klingt alles erst einmal sehr toll – auf der anderen Seite klingeln natürlich alle Datenschützer-Alarmglocken. Denn das Problem liegt auf der Hand: Einmal installiert hat Phonedeck Zugriff auf eure gesamte Telefonie- und SMS-Historie – zumindest auf die, die sowieso schon auf dem Smartphone gespeichert ist. Alle diese Daten sind dann aber nicht mehr nur einigermaßen sicher auf dem Smartphone gespeichert, sondern landen auf den Phonedeck-Servern in der Cloud.

Sprich: Die Vorratsdatenspeicherung, gegen die in Deutschland mit großer Inbrunst gekämpft wird, macht Phonedeck schlicht und ergreifend zum Feature – indem die Daten für den Nutzer zugänglich und nutzbar gemacht werden, und das auf wirklich ansprechende Art und Weise. Der Profilerstellung ist jedoch trotzdem Tür und Tor geöffnet.

Denn ich muss zugeben: Es macht großen Spaß, Phonedeck zu verwenden, und es ist sehr bequem. SMS kann ich direkt am Bildschirm schreiben, und ich habe einfachen Zugriff auf alle meine Kontakte – der Anruf ist je nur einen Klick entfernt. Ein kabelloses Headset habe ich zwar nicht, aber sollte ich eins haben, würde Phonedeck mit Sicherheit eine große Erleichterung im Büroalltag darstellen.

Ich bin also zwiegespalten: Auf der einen Seite ist Phonedeck unglaublich nützlich, auf der anderen Seite habe ich keine Kontrolle mehr über meine Telefonie- und SMS-Daten. Natürlich schreibt Phonedeck, dass die Daten sicher sind – und das glaube ich ihnen auch, denn das Vertrauen der Nutzer ist immerhin die Basis des Geschäftsmodells. Doch auf der anderen Seite weiß ich eben nicht, was damit passiert, zumal der Zugriff durch staatliche Behörden nicht komplett ausgeschlossen wird (die Frage ist natürlich, ob das überhaupt geht, so etwas wirklich auszuschließen):

„Your data & contacts will not be shared, sold, or distributed to any third parties (unless required by law or explicitly consented by the user)“

Quelle: phonedeck.com

Was meint ihr?