Kategorie: Medien

Nach der #rp13: Im IC von Berlin zurück nach Düsseldorf

Ein Bierchen vor der Station. Foto: Gregor Fischer. Lizenz: CC BY 2.0.

Ein Bierchen vor der Station. Foto: Gregor Fischer. Lizenz: CC BY 2.0.

Am Ende war es alles ganz schnell wieder vorbei. Die re:publica in Berlin hat mich mal wieder geplättet, und zwar im positiven Sinne. Zu keinem anderen Anlass habe ich bisher mehr spannende Menschen auf einem Fleck und so viele bekannte Gesichter wieder gesehen. Und keine andere Veranstaltung gibt mir so sehr das Gefühl, zu verstehen, was dieses Internet™ eigentlich ist, wie es auf vollkommen verschiedene Weisen funktioniert – und welche Auswirkungen das auf den Rest der Gesellschaft hat.

Aber genug der Lobhudelei. Hier, im Zug von Berlin zurück nach Düsseldorf sitzend, habe ich mich gefragt:

Was nehme ich mit?

Fangen wir mal mit einem Buzz-Thema an: das Phänomen YouTube, und warum der „Rest“ des Internets davon bisher so wenig mitbekommen hat und es auch nicht versteht. Am Ende bleibt bei mir die Vermutung: Das, was wir als neue Community auf YouTube erleben, ist nichts anderes als eine neue Jugendkultur. Die verstehen die wenigsten am Anfang. Und wie jede echte Jugendkultur wird auch die YouTube-Community zunehmend von ihrer Vermarktbarkeit gefressen. Das macht die Videomacher zwar nicht schlechter, ihre Videos allerdings erwartbarer und die Plattform damit zu einem Eldorado für Werbende und zu einem neuen Player auf dem Medienmarkt. Zieh dich warm an, liebes Linear-Fernsehen!

Ebenso um Veränderung ging es auf mehreren Panels zum Thema Arbeit und wie sie weiter durch technologische Entwicklungen im Wandel steht. Johannes Kleske (@jkleske) hat dazu einen sehr spannenden Vortrag gehalten. Kernthesen: Zwar werden immer mehr Jobs durch Maschinen und Digitalisierung übernommen, allerdings wachsen nicht genug neue Tätigkeitsbereiche nach. Dabei gibt es zwei Zukunftaussichten: Eine Dystopie, in der wir von Maschinen förmlich unterjocht werden, und eine Utopie, in der wir uns ohne Arbeitszwang voll entfalten können. Die Realität liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen, doch dafür müssen wir Lösungen finden gegen zu viele starke Unterdrückungstendenzen. Ein wirklich spannender Vortrag, den ich hier zum Nachschauen eingebunden habe:

Und schließlich nehme ich auch einen Appell an meinen eigenen Berufsstand mit. „Ehrlich gesagt verstehe ich deine Zunft nicht wirklich“, hat mir ein Vertreter der #OpenData-Bewegung gesagt. Dahinter steht die Frage: Warum nutzen – gerade im Lokalen – so wenige Journalisten die verschiedenen Möglichkeiten der Datenrecherche und Datenvisualisierung? Ganz getreu dem inoffiziellen Motto der re:publica 2013, „Machen!“ – geprägt von Sascha Lobo –, will ich mich in Bezug auf Datenjournalismus mehr ausprobieren im nächsten Jahr. Welche Daten gibt es zuhause bei mir vor der Haustür? Wie lassen sich so für meine tägliche Arbeit im Lokaljournalismus neue Recherchen anstoßen? Und wie lässt sich das im Radio gut umsetzen, ohne zu technisch und zahlenlastig zu werden?

Diese letzten Fragen sind dabei auch eng mit dem Vortrag von Daniel Bröckerhoff (@doktordab) zum Thema #OpenJournalism verbunden.

Dieser stand zwar eher am Rande der re:publica und bereitete im Grunde auch nur weitgehend bekannte Fakten neu auf. Trotzdem hat das Panel und die Vorstellung von Daniels Projekt bei mir einen ungeheuren „Machen!“-Drang ausgelöst. Mir schießen in den letzten Tagen ständig neue Ideen durch den Kopf, allseits bekannte Themen einmal neu aufzugreifen, ihre Recherche offener zu gestalten, und unsere Hörer und Leser stärker mit einzubeziehen. Klar, Call-In-Radio gibt es schon lange – aber die Fragen stellen bisher immer wir Radiomacher. Wie das alles gehen kann, daran will ich arbeiten.

Machen!

Aber weil ja nicht nur drüber schreiben hilft, sondern am Ende wirklich das Machen! stehen muss, komme ich an dieser Stelle zum Ende. Ich freue mich schon darauf, im kommenden Jahr auf der #rp14 mit vielen weiteren spannenden Leuten eine Mate trinken zu dürfen und über dieses Internet zu sinnieren. Morgen fahre ich aber erst einmal wieder ganz normal auf dem Fahrrad in die Redaktion – und dann schaue ich einfach mal, wie er morgen aussehen kann, dieser bessere und offenere Journalismus.

Auf bald!

P.S.: Danke, lieber Hamster! <3

App.net – Alternative zur Werbefinanzierung?

Kann App.net eine echte Alternative zu anderen Bezahlmodellen sein?

Logo von App.net

Wir haben uns über die Jahre irgendwie daran gewöhnt: Egal ob Facebook, Twitter oder Google – überall werden unsere Daten zur Währung. Aus dem, was wir posten, was wir mit Freunden teilen und wie wir mit Anderen interagieren, wird für uns ein maßgeschneidertes Profil erstellt. Anhand dessen wird uns Werbung angezeigt, die zu uns passt, und desto besser sie zu uns passt, desto mehr verdienen die Facebook & Co.

Was wäre aber, wenn es einen anderen Weg für solche Internetdienste gäbe, Geld zu verdienen? Was wäre, wenn es zum Beispiel ein Twitter gäbe, bei dem wir nicht mit unseren Daten, sondern mit echtem Geld für die Dienstleistung bezahlen? Genau diese Vision will Dalton Caldwell mit seinem Startup App.net umsetzen. Für die Sendung mit dem Internet auf Antenne Düsseldorf konnte ich am 14. März mit ihm sprechen. Hier die redaktionell aufbereitete O-Ton-Collage:

Der oben stehende Beitrag ist nur eine Zusammenfassung meines Gesprächs mit Dalton. Das gesamte Gespräch mit ihm könnt ihr im Blog zur Sendung nachlesen und nachhören.

Kostenlose Invites!

Außerdem habe ich noch ein kleines Gimmick für euch: Über diesen speziellen Link könnt ihr euch ganz einfach kostenlos bei App.net anmelden – und folgt dabei netterweise gleich meinem Account. Einfach mal ausprobieren!

Was denkt ihr über App.net?

Meine Android-Lieblinge 2013 (2): Kommunikation

Ich mag Android. Ich mag mein Nexus 4. Und das ist auch wichtig. Denn mein Smartphone ist mein täglicher Begleiter. Es unterstützt mich in vielen Situationen und unterhält mich auch bisweilen. Dabei spielen eine ganze Reihe ziemlich toller Apps eine große Rolle. In dieser kleinen Blog-Serie möchte ich einen Überblick über meine App-Lieblinge unter Android geben – und dabei vielleicht auch die ein oder andere kleine Perle vorstellen. Nach den Nachrichten-Apps folgen jetzt meine Lieblings-Kommunikations-Tools.

Falcon Pro

Icon von Falcon Pro

Nein, Twitter ist für mich nicht unbedingt ein Nachrichten-Tool, sondern vor allem ein Dienst zum Austauschen mit anderen. Deshalb fällt mein derzeitiger Favorit unter den Twitter-Clients auch in die Kategorie Kommunikation. Lange Zeit habe ich mich mit der offiziellen Twitter-App abgefunden – so wirklich super toll war sie nie, aber sie tat ihren Job. Und dann entdeckte ich Falcon Pro.

Screenshots von Falcon Pro

Falcon Pro ist ein schnelles Biest im aktuellen Android-Holo-Look.

Die App bietet zunächst einmal alles, was ein guter Twitter-Client können muss: Neben Anzeige von Timeline, Mentions und DMs kann innerhalb von Twitter gesucht werden und auch auf die eigenen Listen lässt sich zugreifen. Was sehr schön ist: Medien wie Bilder und Videos sind sehr schön in das Interface eingebunden. Und: Beinhaltet ein Tweet einen Link, wird die Website in der Einzelansicht in der Mobilversion geladen, sodass man direkt weiterlesen kann. Schick! Einziger Wermutstropfen: Falcon Pro kann (noch) nicht mit mehreren Twitter-Accounts gleichzeitig umgehen.

Link zu Falcon Pro im Play Store (0,79 €)

hike

Icon von hike

Lange habe ich gewartet, dann irgendwann war Schluss mit WhatsApp. Sicher, der Dienst funktioniert meist gut, ich kann quasi unbegrenzt Nachrichten und Bilder schicken, und im Grunde hat es mittlerweile jeder. Auf der anderen Seite stehen immer wieder Schlagzeilen, die am Datenschutz von WhatsApp zweifeln lassen – und einige Kommunikations-Fails. Ganz anders sieht es bei hike aus. Das Startup aus Neu Delhi twittert, bloggt, und zeigt sich auch sonst seit seinem Start sehr offen in der Unternehmenskommunikation – selbst als es zum Beispiel um eine zeitweise noch fehlende Verschlüsselung ging. Dazu kommt, dass die App einfach gut ist.

hike ist eine schöne und schnelle WhatsApp-Alternative aus Neu Delhi.

hike ist eine schöne und schnelle WhatsApp-Alternative aus Neu Delhi.

hike bietet keine Wunder, sondern das, was viele andere Kommunikations-Apps auch bieten: Anhand der Telefonnummern im eigenen Adressbuch werden andere hike-Nutzer gefunden. Mit denen können dann Text-, Bild-, Video- und auch Sprachnachrichten ausgetauscht werden. Gute Freunde können in die Favoritenliste gepackt werden. Hinzu kommt die schöne Funktion des Anstupsens – hier endlich mal, im Gegensatz zu Facebook, sinnvoll eingesetzt, wenn man zum Beispiel dringend eine Antwort benötigt. Alles in Allem nutze ich hike, weil es erstens eine schöne App ist, die das kann, was ich will, zweitens viele Freunde von mir die App bereits nutzen, und mich drittens WhatsApp nervt und dagegen die Unternehmenskultur von hike anspricht. Einfach mal anschauen!

Link zu hike im Play Store (kostenlos)

Google+ Messenger

Icon des Google+ Messenger

Die letzte Kommunikations-App, die ich empfehlen möchte, ist im Grunde genommen nichts neues für diejenigen, die ohnehin im Google-Universum unterwegs sind: der Google+ Messenger. Jeder, der Google+ auf dem eigenen Android-Smartphone installiert hat, bekommt den Messenger mitgeliefert. Ich nutze ihn nicht mit vielen Menschen, doch das ist eigentlich schade, denn es ist eine sehr schicke und praktische App.

Den Google+ Messenger nutzen nur wenige meiner Freunde – schade eigentlich!

Den Google+ Messenger nutzen nur wenige meiner Freunde – schade eigentlich!

Das Schöne ist natürlich zunächst einmal die direkte Anbindung an die eigenen Google-Kontakte. So sind alle wichtigen Menschen direkt in der Liste. Neben den üblichen Features wie Lese- und Empfangsbestätigungen von Nachrichten und verschiedenen Medien, die man mitschicken kann, hat der Google+ Messenger eine direkte Anbindung an die Google-eigenen Hangouts, und die funktionieren auf dem Smartphone sehr gut! Ich bin ein Fan des Google+ Messenger – schreibt ihr mir mal?

Link zu Google+ im Play Store (kostenlos)

Next up: Produktivität

Weiter geht es in dieser Serie dann in den nächsten Tagen, und zwar mit meinen liebsten Produktivitäts-Apps. Stay tuned!

Bis dahin: Mit welchen Apps kommuniziert ihr am liebsten mobil? Doch über WhatsApp? Oder schreibt ihr auch noch ganz klassisch SMS? Schreibt mir eure Lieblings-Kommunikations-Apps!

Hinweis: Wie ihr vielleicht bemerkt habt, ist mein Android auf Englisch eingestellt. Das hat den einfachen Grund, dass ich gerne Google Now in vollem Umfang nutzen möchte. So gut wie alle Apps, die ich hier vorstelle, haben aber auch eine deutsche Übersetzung.

Meine Android-Lieblinge 2013 (1): News

Ich mag Android. Ich mag mein Nexus 4. Und das ist auch wichtig. Denn mein Smartphone ist mein täglicher Begleiter. Es unterstützt mich in vielen Situationen und unterhält mich auch bisweilen. Dabei spielen eine ganze Reihe ziemlich toller Apps eine große Rolle. In dieser kleinen Blog-Serie möchte ich einen Überblick über meine App-Lieblinge unter Android geben – und dabei vielleicht auch die ein oder andere kleine Perle vorstellen. Den Anfang machen meine Lieblings-Nachrichten-Apps – sehr wichtig für mich als Newsjunkie.

Press

Icon der Press-App

Twitter, Facebook, Google+ – alles schön, aber irgendwie gibt es dann doch immer die ein oder andere Geschichte, den ein oder anderen Blogartikel, den ich über diese Wege nicht mitbekomme. Deshalb lobe ich mir meinen Google Reader, in dem ich einige hundert verschiedene Blogs via RSS abonniert habe. Auf dem Mac nutze ich zum Lesen der anfallenden Artikel Reeder, unter Android lange Zeit die offizielle App von Google. Seit einigen Wochen habe ich aber Press ins Herz geschlossen.

Google-Reader-Alternative Press

Die Google-Reader-Alternative Press bietet ein schickes und schnelles Layout.

Einmal mit dem eigenen Google-Konto verknüpft, bietet Press eine ziemlich schicke Möglichkeit, neue Artikel zu lesen und in andere Netzwerke zu teilen. Dabei aktualisiert sich die App auf Wunsch automatisch im Hintergrund – gerade im Zug, wo das Netz meist schlechter ist, ein ziemlich tolles Feature, denn dann ist trotzdem immer genug zum Lesen da. Was noch fehlt, sind bessere Verwaltungsfunktionen, also etwa die Möglichkeit, neue Feeds zu abonnieren. Ansonsten bin ich mit Press wunschlos glücklich.

Link zu Press im Play Store (2,99 €)

Pocket

Icon der Pocket-App

Über Pocket habe ich schon vor einigen Tagen hier im Blog berichtet. Der Dienst gehört zu meinen absoluten Lieblingstools. Nirgendwo kann ich besser spannende Artikel von verschiedenen Quellen sammeln, um sie später zu lesen. Besonders die Share-Funktion unter Android und die entsprechenden Browser-Plugins für Chrome, Safari, etc. machen das Zusammenstellen der eigenen Leseliste kinderleicht.

Leselisten-App Pocket

Pocket bietet eine von überall aus befüllbare Leseliste.

Pocket nutze ich übrigens häufig in enger Verbindung mit Press: Wenn mir dort ein Artikel in den ersten Absätzen spannend vorkommt, oder zum Beispiel ein Video eingebettet ist, das ich unterwegs nicht ansehen kann, packe ich den Beitrag einfach über die Share-Funktion in Pocket. Den gespeicherten Artikel kann ich dann in Ruhe zuhause am großen Bildschirm zu Ende lesen.

Link zu Pocket im Play Store (kostenlos)

Süddeutsche.de

Icon der SZ-App

Blogs und soziale Netzwerke sind das Eine, gerade morgens mag ich es aber, einen schnellen Überblick über das zu bekommen, was gerade in der Welt los ist. Lange Zeit habe ich dafür die Tagesschau-App genutzt, seitdem es jedoch die sehr schicke App der Süddeutschen Zeitung gibt, ist das meine Referenz-Nachrichten-App. Die Artikel sind sehr gut lesbar, alle Ressorts schnell durchsuchbar, und wie jede gute News-App bietet auch die SZ automatische Benachrichtigungen bei Eilmeldungen an.

News-App Süddeutsche.de

Aktuelle Nachrichten gibt’s von der Süddeutschen Zeitung.

Was ich allerdings nicht verstehe, ist, warum mir die Süddeutsche diese Inhalte schenkt und nicht einmal einen Einmal-Obulus von – was weiß ich – 3 oder 4 € beim Herunterladen verlangt. Lieber Stefan Plöchinger, liebe SZ, liebend gerne würde ich für euer tolles Online-Angebot zahlen – und zwar ohne den Umweg über ein Abo. Gebt mir endlich die Möglichkeit dafür!

Link zu Süddeutsche.de im Play Store (kostenlos)

WeatherPro

Home-Screen-Widget von WeatherPro

Okay, zugegeben: Eine Wetter-App fällt nur begrenzt in den Bereich der News-Apps. Auf der anderen Seite will ich den morgendlichen Blick auf die Wetteraussichten für den Tag nicht missen – insbesondere, wenn ich an einem Tag in verschiedenen Städten unterwegs bin. Lange habe ich nach der richtigen App gesucht, und bin schließlich bei WeatherPro hängen geblieben.

Wetter-App WeatherPro

Detailreiche und schön aufbereitete Wetterdaten inklusive Regenradar gibt’s von WeatherPro.

Die App bietet zunächst einmal für quasi jeden Ort aktuelle Wetterdaten und Vorhersagen. Hinzu kommen einige ganz schicke Diagramme zu Temperatur und Niederschlagsrisiko. Was mir aber fast das Wichtigste ist, sind die Wetterkarten. Für ganz Europa bietet WeatherPro dabei aktuelle Radarfilme und Satellitenbilder an – sehr praktisch, wenn man mal wissen will, ob in der nächsten Stunde zwischen daheim und dem Supermarkt etwas runter kommt. Abgerundet wird das Paket schließlich durch einige ganz schicke Widgets.

Link zu WeatherPro im Play Store (2,99 €)

Next up: Kommunikation

Weiter geht es in dieser Serie dann in den nächsten Tagen, und zwar mit meinen liebsten Kommunikations-Apps. Stay tuned!

Bis dahin: Mit welchen Apps bleibt ihr auf dem Laufenden, was die Geschehnisse in der Welt und im Netz angeht? Schreibt mir eure Lieblings-News-Apps!

Hinweis: Wie ihr vielleicht bemerkt habt, ist mein Android auf Englisch eingestellt. Das hat den einfachen Grund, dass ich gerne Google Now in vollem Umfang nutzen möchte. So gut wie alle Apps, die ich hier vorstelle, haben aber auch eine deutsche Übersetzung.

Wer oder was ist eigentlich dieses YouTube?

Der Brite Benjamin Cook trifft in seiner YouTube-Doku „Becoming YouTube“ verschiedene YouTuber und spricht mit ihnen über YouTube. So einfach, so faszinierend. Foto © Benjamin Cook.

Der Brite Benjamin Cook trifft in seiner YouTube-Doku YouTuber und spricht mit ihnen über YouTube. So einfach, so faszinierend. Foto © Benjamin Cook.

4 Milliarden Videoabrufe täglich, 800 Millionen Besucher pro Monat – das, in zwei beeindruckenden Zahlen, ist YouTube. Was als einfacher Hort für lustige Katzenvideos begann, ist zwar heute immer noch ein toller Ort, um Katzenvideos zu schauen – ist heute aber gleichzeitig auch der wohl größte Anbieter für Bewegtbildinhalte im Netz.

Das besondere: Jeder kann seine Videos auf YouTube stellen, eine Sendelizenz braucht dafür niemand. Klar, auch die großen Studios und Fernsehsender betreiben eigene YouTube-Kanäle. Wirklich faszinierend ist aber eigentlich die Community der privaten Videomacher, von denen immer mehr zwischen einigen Hunderttausenden bis hin zu mehreren Millionen von Abonnenten haben. Und so gibt es inzwischen echte YouTube-Persönlichkeiten, Berühmtheiten im Netz, die für eine riesige, meist sehr junge Zuschauerbasis echte Idole sind – nicht nur mit ihren Videos, sondern auch mit dem, was sie an Persönlichkeit darin verkörpern.

How do I become YouTube famous?

Aber, welche Mechanismen stecken dahinter? Wie wird man eine Berühmtheit auf YouTube? Diesen Fragen geht momentan der Brite Benjamin Cook in einer – wie sollte es anders sein – Serie von Videos auf YouTube nach.

Dabei spricht er mit vielen bekannten Gesichtern der britischen YouTuber-Szene, etwa mit Charlie, Alex Day. Bisher sind zwar nur zwei Folgen online, aber schon jetzt ist es sehr spannend, durch die Augen von einigen der wohl erfolgreichsten Online-Videomacher der Welt auf YouTube zu blicken. Besonders erfolgreich sind sie mit Sicherheit auch dadurch, dass sie Englisch sprechen, und so Menschen auf der ganzen Welt erreichen.

Das Interessante daran: Auch diese meist sehr jungen Menschen machen sich große Gedanken um ihr Publikum. Denn Fakt ist: Sie erreichen mit ihren Videos hauptsächlich Teenager zwischen 13 und 17 Jahren, und die meisten davon sind weiblich. Umso spannender sind in diesem Zusammenhang Fragen wie: Spielt das Aussehen eine Rolle? Wie erreiche ich am meisten Zuschauer? Und: Warum mache ich das eigentlich? Wegen der Klicks, oder weil es mir Spaß macht?

Becoming YouTube ist eine höchst sehenswerte Videodokureihe, die tiefe, witzige und sehr persönliche Einblicke in eine ganz besondere Parallelwelt bietet, dabei die eigene Kreativität inspiriert – und gleichzeitig durch die unglaublich hohe Qualität auch noch richtig gut unterhält.

Und was ist mit den deutschen YouTubern?

Benjamin Cooks – zugegebenermaßen teils eigenwilliges und nicht immer ganz ernst gemeintes – Portrait der YouTube-Community beschränkt sich auf den englischsprachigen Raum, genauer gesagt größtenteils auf den britischen Teil der Videomacher. Aber wie sieht es mit Deutschland aus? Schließlich gibt es auch hier mittlerweile sehr erfolgreiche YouTuber. Das Paradebeispiel sind hier wohl Y-Titty – drei Jungs aus Franken, die mittlerweile in Köln leben und von ihren YouTube-Videos leben.

Doch, auch wenn das sicherlich nur mein ganz persönlicher Eindruck ist, den ich nur schwer belegen kann: Ich glaube, dass die deutschsprachige YouTuber-Community der englischsprachigen noch um einige Ecken hinterher hinkt. Sicher, auch hierzulande gibt es kreative Videomacher. Nach meinem Empfinden setzen dabei aber gerade die erfolgreichsten Kanäle auf – mit Verlaub – Titten, Sex und ziemlich billige Comedy.

Bisher gibt es noch keinen deutschen Charlie McDonnell, der mit handgemachten Sketchen groß geworden ist auf YouTube und jetzt Millionen junger Menschen neues Selbstbewusstsein gibt. Nein, die deutschen „YouTube-Größen“ produzieren – meinem Empfinden nach – in den meisten Fällen TV-ähnliche Videos, die auf schnelle Klicks aus sind, und sich dabei häufig auch noch einer Art Humor bedienen, die ich nicht unbedingt elegant nennen möchte.

Tiefgang? In den meisten Fällen leider Fehlanzeige. Diesen etwas pauschalen Eindruck habe ich leider auch beim Hören der diversen – übrigens ansonsten sehr gut gelungenen – YouTuber-Portraits von Fabian von Triffy.de für die Sendung mit dem Internet über die letzten Wochen gewonnen. Klar, all das gibt es im britischen Teil von YouTube auch – aber eben nicht in dieser Dominanz, sondern gleichberechtigt neben einer Fülle an etwas subtileren Videos.

Natürlich kann es aber auch sein, dass ich die guten und etwas anspruchsvolleren deutschsprachigen YouTuber einfach noch nicht entdeckt habe. Und klar, es ist auch nicht alles furchtbar. Videos wie die von „Teilzeitvlogger“ Marcel oder Michael Buchinger machen durchaus Mut.

Vielleicht braucht es also einfach noch eine gewisse Zeit, bis noch mehr ambitionierte junge Filmemacher hierzulande YouTube als die eigene Plattform entdecken. Bis dahin schaue ich aber wohl doch noch ein bisschen weiter auf Englisch.

Und ihr?