So funktioniert das nicht, liebe WAZ …

„Was? Die sind alle auf dem iPad? Dann müssen wir da auch hin!“ So oder so ähnlich mag die Devise gelautet haben, als man in der Chefetage der WAZ Mediengruppe beschloss, die Zeitungen des eigenen Hauses in digitaler Form auf Apples Tablet zu bringen. Heute nun wurde die App, wie es sich so schön nennt – ich überlege, ob ich nicht einfach „Progrämmchen“ sagen sollte, weil es so süß klingt – im App Store veröffentlicht. Darüber berichtet nicht nur DerWesten.de sondern auch das von mir hoch geschätzte Pottblog.


Der WAZ Zeitungskiosk im App Store

Schön und gut, soweit. Ich selber habe kein iPad, würde mir aber wenn dann wohl auch eher ein Android-Tablet kaufen, weshalb ich sowieso per se keine Zielgruppe für die neue WAZ-App bin (obwohl ich nun im Ruhrgebiet wohne, und die WAZ hier in Herne „meine“ Tageszeitung wäre). Doch ein paar Dinge sind mir in der genauen Ausgestaltung der Tablet-Umsetzung doch sauer aufgestoßen.

#1: Nix neues – nur PDF taugt nix!

Ich weiß ja nicht, wer es so toll und unglaublich innovativ fand, eine Zeitung wirklich einfach nur als Zeitung (bloß eben digital) aufs Tablet zu bringen. Wer glaubt, dass er damit dem Medium gerecht wird, und die Chancen, die es bietet, ausnutzt, hat sich geschnitten. Klar, schön, man kann Artikel verschicken mit der WAZ-App, so wie ich es verstanden habe. Doch, oh Wunder, nicht der Artikel wird dann verschickt, sondern die Seite als PDF. Wie innovativ, und eingängig, und einfach …

Leider hat sich diese Praxis der langweiligen PDF-Veröffentlichung mittlerweile anscheinend bei vielen Medienhäusern durchgesetzt, andere iPad-Apps haben es vorgemacht. Der WAZ kann man also nicht den Vorwurf machen, als erste diesen Fehler zu begehen, sich nicht wirklich auf das Medium einzulassen. Doch eben gerade weil die WAZ ja nun nicht die erste mit einer App am Markt ist, hätte sie sich doch auch ein bisschen mehr Mühe geben können, und den Nutzer_innen eben nicht nur das PDF vor den Latz knallen.

#2: Die „Auslieferung“

Große Ereignisse, die zu später Stunde eintreffen, machen es den Leser_innen einer Tageszeitung häufig vor: Der Redaktionsschluss ist nicht allzu spät am Abend, damit die Zeitung noch rechtzeitig gedruckt werden kann. Wann genau dieser Redaktionsschluss ist, hängt immer von den jeweiligen Produktions- und Auslieferungsbedingungen ab, jedoch liegt er bei den meisten Zeitungen wohl so zwischen 19 und 20 Uhr. Dann muss die Zeitung fertig sein, und somit ist dann auch das PDF fertig, das später auf dem iPad an die Kund_innen „ausgeliefert“ wird.

Nicht verständlich ist mir daher die Uhrzeit, zu der das PDF der aktuellen Zeitung auf dem iPad erscheint: 6 Uhr morgens, also dann, wenn der „normale“ Zeitungsleser seine Zeitung auch im Briefkasten haben sollte. Dafür gibt es eigentlich – technisch gesehen – keinen wirklichen Grund. Der einzige Weg, auf dem ich mir diese seltsame Strategie erklären kann, ist der, dass die iPad-Leser keinen zeitlichen Vorteil vor den Papier-Lesern haben sollen. Doch ganz ehrlich: Warum dann überhaupt auf ein elektronisches Medium setzen? Schon wieder erscheint es mir, als meine es die WAZ nicht ganz ernst mit dem Weg in die digitale Zukunft …

#3: Das Preissystem

Die WAZ Mediengruppe erklärt ihr Preissystem so (und ich bin froh, dass sie mir diese Erklärungen abnimmt):

„14 Tage zahlen Sie dafür gar nichts. Danach können Sie sich für eines unserer Abos entscheiden. Sie haben die Wahl: Die Einzelausgabe kostet 79 Cent, das Ein-Monats-Abo 14,99 Euro und für drei Monate zahlen Sie 37,99 Euro. Wer bereits eine WAZ, WR, WP, NRZ und IKZ zu Hause hat, der zahlt knapp die Hälfte. Print-Abonnenten er­halten einen dafür nötigen Gutschein.“ – DerWesten.de

Einzelausgabe – okay. Ein-Monats-Abo und Drei-Monats-Abo – okay. Was nicht okay ist, ist die Preispolitik gegenüber den Print-Abonnenten. Warum (zur Hölle?!) sollte ich als ein Zeitungs-Abonnent der WAZ (der ich übrigens nicht bin), für die digitale Ausgabe eines Produkts, das ich schon besitze, und das ansonsten keinerlei Mehrwert birgt, noch einmal zahlen? Das ist – meine Meinung nach – pure Geldmacherei, und ich warte darauf, dass mir diese Preisgestaltung jemand verständlich macht …

Zum Schluss …

… ein paar abschließende Worte. Zugegeben: Ich habe die WAZ-App nicht getestet. Ich hatte auch gar keine Chance dazu, schließlich besitze ich kein iPad. Doch ich glaube, meine Kritik ist trotzdem gerechtfertigt, denn die Mängel sind ganz offensichtlich.

Und ich sage es einfach noch einmal: So funktioniert das nicht, liebe WAZ …

4 Comments

  1. Patrick H

    „Warum […] sollte ich als ein Zeitungs-Abonnent […] für die digitale Ausgabe eines Produkts, das ich schon besitze, […] noch einmal zahlen?“

    Nunja, nicht, dass mir das folgende Argument so richtig gefallen würde, aber es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass eine Ausgabe auf Papier und eine Ausgabe aufm iPad immer noch zwei Exemplare der Zeitung sind, die von zwei unterschiedlichen Menschen gelesen werden können, auch wenn sie von einer bezahlt werden. Möchte ich parallel zu meinen MitbewohnerInnen gleichzeitig die gleichen Artikel am Frühstückstisch lesen, käme ich auch nicht darum herum, zweimal fürs Papier zu bezahlen.

    Dass die digitale Ausgabe noch eine besondere Implikation hat habe ich gemerkt, als ich für ein halbes Jahr Praktikum in München gemacht und das E-Paper-Abo der SZ zusätzlich für ein paar Euronen bezogen habe: Meine Eltern haben die Zeitung 270km von mir entfernt gelesen, während ich die elektronische Ausgabe unabhängig von meiner Örtlichkeit lesen konnte. Insofern fand ich es okay, etwas draufzuzahlen. Allerdings hab ich doch deutlich weniger Zeitung gelesen. Als PDF ist es dann doch eher anstrengend und vielleicht eher die Möglichkeit des Durchsuchens am Interessantesten, allein dafür aber der E-Paper-Preis dann definitiv zu teuer.

    Grüße,
    Patrick

  2. Pingback: Links anne Ruhr (12.05.2011) » Pottblog

  3. Stephan

    Hallo zusammen,

    ich habe das Abo der WAZ und habe nach Erscheinden dieser App direkt die WAZ kontaktiert. Und zwar habe ich den Papierwust satt und wollte meine Papierausgabe abbestellen und dafür das App erhalten. Da ich noch bis 2012 im Vertrag fixiert bin, habe ich auch mitgeteilt, dass es mir egal ist, ob ich nun für die App etwas mehr bekomme – aber ich will halt nur noch digital meine Zeitung lesen. Also ein tolles Geschäft für die Zeitung. Nur ich bekomme folgende Antwort:

    vielen Dank für Ihre E-Mail vom 11. Mai 2011. Wir bedauern sehr, dass Sie Ihre WAZ nicht mehr im Abo beziehen möchten.

    Die Fachabteilung im Verlag bearbeitet Ihre E-Mail bereits. Für Ihre Unterlagen schicken wir Ihnen selbstverständlich noch eine Kündigungsbestätigung per Post. Dies kann bis zu 14 Tage dauern, bitte haben Sie bis dahin noch etwas Geduld.

    Gerne hätten wir Ihrem Wunsch entsprochen, jedoch entspricht Ihre Printausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung nur inhaltlich den Inhalten der App, ist kaufmännisch jedoch davon zu trennen. Da beide Produkte unabhängig voneinander existieren, könne wir Ihr Print-Abo nicht in das eletronische umwandeln.

    Tja. was hält Ihr davon?

  4. Gerhard Schmidt

    Liebe E-Paper Fans, ich beziehe seit März 2016 dieses Abo. Am Anfang war der Zugang zur elektronischen Zeitung problemlos. Mittlerweile gibt es aber erhebliche Probleme. Aktuell wieder bei der Samstagsausgabe vom 31.12.2016. Bis zur Seite 20 sind die Seiten zu öffnen, danach nur noch alles verschwommen. 50 weitere Seiten sind nur noch „Müll“. Das Problem existiert nun schon seit fast 3 Monaten. Die WP hat mir zwischenzeitlich ein Update signalisiert. Dieses wurde inzwischen aufgespielt und man vermutet richtig, die Probleme sind nach wie vor vorhanden. Ich bin schon erschrocken, dass ein Pressehaus wie die WP solch ein mit massiven Problemen behaftetes Abo auf den Markt bringt. Ich habe inzwischen eine Nachbesserungsfrist zum 31.01.2017 gesetzt. Sollte das Abo dann immer noch nicht funktionieren werde ich den Vertrag wegen Nichterfüllung der Vertragsbedingungen kündigen.
    Also Vorsicht und Augen auf.

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