Das Ding mit dem Hinterfragen.


Verteidigungsminister zu Guttenberg steht (einmal mehr) in der Kritik. | Foto: Junge Union Deutschlands

Nachdem Karl-Theodor zu Guttenberg in den vergangenen Wochen schon mehrmals in der Kritik stand, wohl auch berechtigterweise, gibt es nun einen weiteren Sturm der Entrüstung. Und dem dreht es sich um die Doktorarbeit des Bundesverteidigungsministers. Bei der handele es sich nämlich, laut dem Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano, um „ein dreistes Plagiat“ und „eine Täuschung“ – so die heutige Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Online wird sogar anhand einer Flash-Animation gezeigt, wo der Herr Freiherr überall geschummelt haben soll. Soweit so schön.

Während die „Tagesschau“ letztlich die Inhalte der „SZ“ wiedergibt, ebenso wie „RP ONLINE“ (natürlich mit dem Hinweis, dass das ja mittlerweile Gang und Gäbe sei bei Studenten von heute), macht sich zumindest die „taz“ die Mühe, wenigstens einmal darauf hinzuweisen, dass Herr Prof. Lescano gar nicht mal der Erste ist, der ein Plagiat in zu Guttenbergs Arbeit festgestellt hat:

„Der Münsteraner Doktorand Michael Schwarz hat schon im letzten Sommer einen (bislang unveröffentlichten) Aufsatz geschrieben, in dem er zu Guttenberg an vier Stellen wortwörtliche Übernahmen aus einem Aufsatz des Tübinger Rechtsprofessors Martin Nettesheim nachweist. Die Analyse von Michael Schwarz liegt der taz vor.“

Nun, eine Frage, die sich mir jedoch stellte, nachdem ich die Geschichte von den Vorwürfen sah (und erst einmal dachte: „Ja, und?!“), war: Wer ist eigentlich dieser so viel zitierte Professor Andreas Fischer-Lescano? Und warum überprüft er zu Guttenbergs Dissertation?

Zu letzterer Frage lautet die Antwort der „SZ“, er habe „die Parallelen mit anderen Texten bei einer Routineprüfung entdeckt“. Ah ja. An anderer Stelle ist auch noch etwas von einer Rezension zu lesen, die er über die Arbeit habe schreiben wollen. Ich will ihm das mal glauben. Nicht so wirklich glauben will ich ihm jedoch, dass hinter dem Öffentlichmachen, und aus meiner Sicht auch Aufbauschen seines Funds, kein politisches Kalkül steckte. An dieser Stelle komme ich nämlich zur Antwort auf meine erste Frage:

Sicher, Andreas Fischer-Lescano ist Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität Bremen, das will ich ihm auch mitnichten absprechen. Spannend finde ich jedoch, dass er vom Blog „Lafontaines Linke“ als „erklärter Linker“ beschrieben wird (was natürlich erst einmal nichts heißen muss), und dass er Gründungsmitglied des „Instituts Solidarische Moderne“ ist.

Das alles ist nichts Schlimmes, bei Weitem nicht, und ich begrüße es sogar sehr, wenn Professoren nicht nur in ihrem eigenen Sud an ihrer eigenen Uni kochen (wie ich es selbst teilweise erlebe), sondern sich einmischen und am politisch-gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen. Doch eine gewisse Einordnung seiner Person unabhängig von seinem akademischen Grad würde ich mir dann seitens der diversen Medien doch wünschen – schließlich ist er der Ausgangspunkt für den Entrüstungssturm, der gerade über zu Guttenberg hereinbricht.

Ich will gar nicht sagen, dass Herr Prof. Fischer-Lescano seine Anschuldigungen erfunden hat, und es mehren sich ja auch die Hinweise anderer Wissenschaftler, die ebenfalls auf ein vorliegendes Plagiat hinweisen. Doch einfach so nachzuplappern, was ein Professor sagt – nur weil er Professor ist? Ich weiß nicht.

Mir persönlich ist es, um ehrlich zu sein, relativ egal, ob Herr zu Guttenberg in seiner Doktorarbeit ein oder zwei Seiten abgeschrieben hat. Und selbst wenn er „seinen Verfassungsbegriff ‚nicht hinreichend‘“ entwickelt hat und „weit hinter der wissenschaftlichen Diskussion“ zurückbleibt, dann ist das zwar schlecht für ihn, aber mir als Bürger erst einmal relativ unwichtig, so lang er in seinem Ressort, dem des Bundesverteidigungsministeriums, fachlich sauber handelt und entscheidet – und das sollte doch eher Gegenstand einer Diskussion sein, gerade in den Medien.

Die Vorwürfe gegen zu Guttenberg sind wahrscheinlich berechtigt, und es ist auch in Ordnung ihn dafür zu kritisieren. Aber die Sau, die gerade einmal mehr durchs Mediendorf getrieben wird, rechtfertigt dies nicht.

8 Comments

  1. Tony Cliffton

    Zunächst mal hat nicht 1-2, sondern bis zu 22 (!) Seiten abgeschrieben. Quelle: SZ

    Zweitens muss er auch als Minister den gleichen Maßstab wie alle anderen Bundesbürger an sich legen lassen. Einfacher Beamter werden könnte man nach so einer Plagiatsstory schon nicht mehr: charakterlich nicht geeignet.

  2. @Tony Cliffton:

    Ja, dass er den gleichen Maßstab an sich legen lassen muss, wie andere Bürger, da gebe ich dir Recht, und das wollte ich keinesfalls zum Ausdruck bringen, dass für ihn andere Regeln gelten würden oder sollten.

    Viel mehr kam es mir einfach erstens etwas seltsam vor, dass diese Arbeit urplötzlich jetzt auftaucht, und zweitens war mir die Argumentation zu einfach. Aus welcher Ecke die Anschuldigungen kamen, hat niemand hinterfragt. Klar, bei Gregor Gysi bräuchte man das den Leser_innen nicht mehr zu erklären. Aber bei einem vermeintlich unparteiischen Professor finde ich es doch angebracht, politische Hintergründe kurz zu erläutern.

    Hast du zu der Angabe mit den 22 Seiten einen Link? Danke schonmal.

  3. Hach ja! Im Moment (oder Allgemein) will ich mich nicht entscheiden, was ich von dem Vorwurf halte, aber besonders hübsch fand ich in diesem Zusammenhang einen Nebensatz in einer Berichterstattung á la „mit einer riesigen Anzahl an Fußnoten“.
    Gestern hat meine Professorin für Strafrecht uns Allgemeines zur Hausarbeit gesagt und dass wir bei unproblematischen (d.h. nicht gesetzlichen, aber ansonsten unstreitigen) Definitionen drei Quellen brauchen und bei strittigen wurden 15-20 genannt.
    Selbst wenn der gute Mann noch so viele Seiten abgeschrieben hat – zu viele Fußnoten kann man ihm in einer rechtswissenschaftlichen Dissertation wohl wirklich nicht vorhalten! :D

  4. Es war doch von Anfang an klar, dass ein tendenziell linker Professor in einer tendenziell linken juristischen Zeitschrift rezensiert. Das spielt doch überhaupt keine Rolle.
    Zu Guttenberg hat offensichtlich seinen Doktorgrad nicht rechtmäßig erlangt. Im Übrigen hat er die Dissertation während seines Mandats als MdB verfasst. Da könnte man auch mal nachhaken, ob er da 1) wirklich die Zeit zur Promotion hat oder ob er 2) sein Mandat überhaupt ausfüllen konnte während der Promotion.
    Er hat die WählerInnen damit getäuscht, dass auf der bayerischen Landesliste ein Herr Dr. zu Guttenberg zur Wahl stand und nicht der einfache Jurist (nicht Volljurist!) KT zu Guttenberg. Damit suggeriert er dem Wähler eine Kompetenz, die er scheinbar nicht hat.

  5. @Matthias:

    Richtig, dass ein tendenziell linker Professor das tun würde, wäre wohl auch jedem klar gewesen. Nur: Ich kannte ihn nicht, und viele andere sicher auch nicht, weshalb dieses Detail durchaus erwähnenswert (wenn nicht sogar zwingend zu erwähnen) gewesen wäre.

    Zu den letzteren Punkten gebe ich dir insofern Recht, als dass man das sicherlich untersuchen könnte, ob die Ausfüllung des Amtes während des Promovierens möglich ist. Die Frage ist nur, ob das irgendjemanden weiterbringt.

    Zudem: Die Landesliste kenne ich zwar nicht, aber ich glaube kaum, dass dort etwas von „Dr.“ stand, ohne dass er Doktor war. Und der Titel wurde ihm noch nicht aberkannt.

    Wie auch immer: Ich finde, wir streiten uns hier über Dinge, die eigentlich alle sehr irrelevant sind, im Vergleich zu dem, was es – gerade in Bezug auf den Bundesverteidigungsminister und die Bundeswehr – eigentlich zu diskutieren gäbe.

  6. Natürlich war er Doktor. Aber wohl offensichtlich zu Unrecht, da seine Promotion teilweise ein Plagiat ist. Das habe ich gemeint.

    Dass, der Professor tendenziell links ist und die Fachzeitschrift auch, habe ich im ersten Artikel heute früh schon gelesen. (siehe u.a. http://www.sueddeutsche.de/politik/guttenbergs-doktorarbeit-summa-cum-laude-mehr-als-schmeichelhaft-1.1060779) – Du kannst aber auch einfach bei Google News nach „Guttenberg links“ suchen und wirst jede Menge Treffer finden. Das hat wirklich keiner verhelt und es spielt m.E. auch überhaupt keine Rolle.

    Ich würde jedenfalls davor warnen, die Guttenbergsche Bagatellisierung zu unterstützen. Das ist nämlich genau die Masche, die er als Wirtschaftsminister und Verteidigungsminister bei allen Problemen bislang gefahren ist.

  7. @Matthias:

    Sicher, ich bin ja auch nach sehr wenig Recherche darauf gestoßen, dass dem so ist. Ich glaube aber schon, dass es zu erwähnen ist, und im Großteil der anderen Medien ist es nun einmal nicht aufgetaucht, was ich zur Einordnung wichtig gefunden hätte. Aber gut, sei es drum.

    Eine Guttenbergsche Bagatellisierung will ich im Übrigen keinesfalls unterstützen, warum auch. Ich sehe mich auch gar nicht als jemand, der das bagatellisiert. Ich befürworte es nur einfach, auf andere Punkte ein Augenmerk zu legen, nämlich die Inhalte der momentan wesentlich drängenderen Fragen, die wir zu lösen haben.

    Und: Natürlich ist es für eine Universität keinesfalls akzeptabel, wenn in einem solchen Umfang ein Plagiat verfasst wird (wobei ich mich frage, warum man das nicht früher gemerkt hat). Doch die Aberkennung eines Doktortitels obliegt nicht uns, sondern der Universität.

  8. Pingback: Was ich schon immer einmal zur „Twitter- und Facebook-Generation“ sagen wollte. « Henning Bulka

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