Die Rhein-Zeitung ergreift Partei.

Ausgewogenheit, Seriosität und vor allem Objektivität – das sind Attribute, die guten Journalismus ausmachen. Umso mehr mag es erstaunen, was die Rhein-Zeitung aus Koblenz in den vergangenen Tagen veröffentlicht hat. In dem Artikel „Schwer verletzt statt schwer verliebt“ berichtet die Journalistin Vera Müller über den Fall einer jungen Frau, die sich in der SAT.1-Sendung „Schwer verliebt“ auf die Suche nach einem Partner machte, jedoch schließlich um Willen der Quote gnadenlos vorgeführt wurde – und deshalb nun ihr von Senderseite auferlegtes Schweigen brach und von den Demütigungen erzählte.

Nicht nur in mehreren Artikeln berichtet die Rhein-Zeitung auf ihrer eigenen Seite, sondern hat mit der Unterseite „Auf Sarahs Seite“ eine öffentliche Pinnwand erstellt, auf der Leser_innen persönliche Worte an Sarah richten können.

Dazu war auch im Radio von der besonderen Berichterstattung zu hören:

Vera Müller, Redakteurin der Rhein-Zeitung, im Radiointerview über Sarah und „Schwer verliebt“

Nun bleibt die Frage: Ist das guter Journalismus? Ich sage: Ja. Denn über das Übel für eine_n Einzelne_n zu berichten und aufzuklären, bedeutet nicht zwingend die Aufgabe der eigenen Ausgewogenheit und Objektivität. Vera Müller und die Rhein-Zeitung beeindrucken in ihrer handwerklich guten und dazu behutsamen Berichterstattung über den „Fall Sarah“ und die Skrupellosigkeit privater Fernsehproduktionen im Umgang mit den Menschen, die sie „porträtieren“. Ein echtes Vorbild des guten Journalismus.

Chapeau!

7 Comments

  1. … deinem Fazit stimme ich zu, wenn der Verlag Sarah nun auch in allen rechtlichen Angelegenheiten unterstützt, die aus der Offenlegung des Vertrags resultieren.

  2. Hallo Henning,

    Ich finde das Verhalten der RZ absolut in Ordnung. Journalismus bedeutet auch und vor allem, Missstände aufzuklären.

    Vor einigen Wochen habe ich ein Exklusivinterview mit einer ehemaligen „Schwiegertochter“ zu dem Thema geführt. Vielleicht hilft’s weiter.

    MfG,

    Tobias Gillen

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  6. Ich sehe die Rolle der Rhein-Zeitung bei dieser Geschichte eher kritisch. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass der Verlag Sarah H. ebenfalls nur für seine Zwecke instrumentalisiert. Diese Geschichte ist für den Verlag doch das perfekte Vehikel, die Rhein-Zeitung gerade bei bildungs- und tageszeitungsfernen Schichten (->Mehrheit der Zuschauer von „Schwer verliebt“) ins Gespräch zu bringen. Spätestens, wenn man sich „Sarahs Seite“ ansieht, bleiben im Hinblick auf die Interessen des Verlags eigentlich keine Fragen mehr offen.

    Vermutlich hat der Verlag noch nie mit so wenig Marketingbudget so viele neue Leser generiert. Im Grunde müsste man der Redaktion zu dieser erfolgreichen PR-Kampagne gratulieren, wäre es nicht wieder Sarah H. die letztendlich dabei auf der Strecke bleibt. Denn mal ehrlich: Die Art der Berichterstattung in der RZ wird nicht dazu führen, dass die Mehrheit der Leser das Format zukünftig boykottiert. Statt dessen werden die Quoten von „Schwer verliebt“ eher noch steigen, weil die Texte neugierig darauf machen, sich selber einen Eindruck von der Sendung zu verschaffen.

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