Kategorie: Leben

Hej 2013, ich glaube, das wird cool mit uns!

Ich glaube, 2013 wird ein gutes Jahr, zumindest für mich. Gut, ob wir weltpolitisch vielleicht in eine Rezession stürzen oder auch noch weitere vier Jahre unter unserer lieben Mutti Merkel ausharren dürfen, vermag ich nicht zu sagen. Aber persönlich wird mir in diesem Jahr viel Gutes passieren. Entschieden hat sich davon vieles aber schon im vergangenen Jahr.

Ein Blick zurück: die Highlights in 2012

Zunächst einmal war 2012 für mich mein erstes echtes Konferenzjahr – zumindest in der ersten Hälfte. Das erste (und wahrscheinlich auch letzte) Mal besuchte ich zum Beispiel die CeBIT in Hannover und musste erkennen, dass da eben wirklich nicht mehr so sehr die Luzi abgeht, wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Interessante Geschichten gab es dort fast keine.

Spannender war dagegen der Besuch auf der Leipziger Buchmesse. Erstens ist es einfach herrlich analog, mal durch Messehallen nur mit Büchern und ohne viel Technik zu laufen. Zweitens macht es natürlich großen Spaß, in neuen und teils auch ausgefallenen Büchern zu blättern. Und schließlich merkt man der Buchbranche an, dass sie Innovation will, um nicht den Anschluss zu verlieren. Heraus kommen dabei neue Erzählformen wie der „Kalender von Slopinsky“ oder neue Publikationsformen für Kurzgeschichten. Erzählt habe ich davon in der Sendung mit dem Internet vom 19. März. Ob ich es 2013 auf die Messe schaffe, weiß ich aber noch nicht.

Stühle auf der re:publica 2012. Foto: Blogging Dagger. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0.

Stühle auf der re:publica 2012. Foto: Blogging Dagger. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0.

Mein absolutes Konferenzhighlight war aber mit Abstand die re:publica 2012 in Berlin – meine erste re:publica überhaupt. Selten habe ich so viele tolle Menschen – bekannt und unbekannt – auf einem Fleck getroffen, und selten habe ich so gut inhaltlich über „Netzthemen“ diskutiert. Hier im Blog habe ich schon auf die diesjährige re:publica zurückgeblickt – und ich freue mich auf eine Neuausgabe in 2013.

Alles in Allem ist aber neben allem inhaltlich Spannenden auch: In 2012 konnte ich die Grundlage legen für meine Arbeit als freier Journalist. Das erste Mal habe ich in diesem Jahr durch Eigeninitiative Geschichten an andere Sender verkaufen können – abseits vom Tagesgeschäft. Das stimmt mich froh, denn frühzeitig Kontakte in die Redaktionen zu knüpfen, ist wohl das „A und O“ für die Arbeit eines (freien) Journalisten.

Nach einem sehr tollen wenn auch zum Ende hin ziemlich nassen Fahrradurlaub im Spätsommer durch die Niederlande ging es anschließend mit einer neuen Station im Journalismus für mich weiter: die Nachrichten. Seit Oktober darf ich bei meinem Heimatsender Antenne Düsseldorf auch hin und wieder die Lokalnachrichten schreiben und präsentieren – und es macht mir großen Spaß.

Kurzum: 2012 habe ich viele spannende Geschichten entdecken können, konnte viele neue Kontakte knüpfen und durfte mich auf einem neuen Arbeitsfeld im Journalismus austoben. Die Zeichen für die 2013 stehen also auf grün.

So wird 2013: ein Ausblick

2013 beginnt für mich mit viel Arbeit, genauer gesagt mit meiner Bachelor-Arbeit. Schreiben werde ich sie bis Mitte März zum Themenkomplex soziales Unternehmertum: Wie kann diese neue Form des Wirtschaftens eine Brücke bauen zwischen den Gleichheitsansprüchen in unserer Gesellschaft – wie etwa dem Ruf nach Inklusion – und dem andererseits sehr marktwirtschaftlichen Effizienzdenken unseres kapitalistischen Systems? Dieser Frage will ich nachgehen, und dabei Gesellschaftstheorien der Soziologie (und auch Politologie) mit den neueren Forschungsansätzen aus der BWL und VWL verbinden. Gestoßen bin ich auf das Thema vor allem durch die Zeitschrift enorm, die ich seit einigen Monaten lese. Nun bin ich gespannt, was mir der wissenschaftliche Blick auf die Thematik bringen wird.

Blick auf den Rheinturm in Düsseldorf. Foto: Frank Kehren. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0.

Blick auf den Rheinturm in Düsseldorf. Foto: Frank Kehren. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0.

Kurz nach Abgabe meiner Bachelor-Arbeit heißt es dann Ende März (diesmal etwas finaler): Auf nach Düsseldorf! Gemeinsam mit meinem geschätzten Herrn Freund werde ich dann in den schönen Düsseldorfer Stadtteil Bilk ziehen, um dann zum 1. April einen neuen Abschnitt in meinem Leben zu beginnen: Das Volontariat bei Antenne Düsseldorf. Ganze zwei Jahre habe ich dann Zeit, neue Tricks und Kniffe fürs Radiomachen zu lernen, Erfahrung zu sammeln und mich ganz einfach mal richtig auszutoben. Ich glaube, diese zwei Jahre werden eine wirklich tolle Zeit, und ich freue mich wie Bolle über diese Chance.

2013 wird also ein Jahr gleich mehrerer Neuanfänge für mich: Eine neue Stadt, ein neuer Job und das Ende meines Studiums. Endlich kann ich dann Vollzeit und hauptberuflich das tun, von dem ich glaube und auch ein bisschen weiß, dass ich es gut kann: Radio machen. Einige Ergebnisse dieser Kreativzeit gibt’s dann natürlich auch hier im Blog.

Worauf freut ihr euch im neuen Jahr?

Der Wunsch, Gutes zu tun.


Kaffeebohnen. Foto: Selma Broeder. Lizenz: CC BY 2.0.

Gestern kam meine Kaffee-Lieferung. Per Post, aus Berlin, vom Coffee Circle. Drei Kaffeesorten gibt’s dort: Espresso, sowie eine milde und eine kräftigere Röstung. Alles bio, alles zwar nicht offiziell „fair“ aber dafür direkt und nicht auf dem Weltmarkt gehandelt – die Kaffeebauern am anderen Ende der Welt können also von ihrer Arbeit leben und so ihre Familien ernähren. Und außerdem wird mit jedem Kilo Kaffee, den der Coffee Circle verkauft, auch noch 1 Euro wahlweise an eines von drei sozialen Projekten gespendet, in meinem Fall für den Bau einer kleinen Dorfschule. Tolle Sache also.

Eigentlich.

Denn, eine Frage die ich mir natürlich jetzt stelle: Warum habe ich anstatt dessen nicht Kaffee in einer lokalen Rösterei gekauft? Zum Beispiel bei der roestbar in Münster, ebenfalls bio und dazu in der Röstergilde. Oder im röst.art in Bochum? Zumindest bei letzterer Rösterei hatte ich bereits zwei Mal Schwierigkeiten, vor Ort herauszufinden, ob die Bauern für ihren Kaffee fair bezahlt wurden.

Fair leben und leben lassen

Hinter all diesen Überlegungen steht mein persönlicher Wunsch, so zu leben, dass ich damit so wenigen wie möglich schade. Deshalb stehe ich auf nachhaltige Produkte. Produkte, die ohne oder nur mit wenigen Schadstoffen in der Produktion hergestellt wurden. Produkte, von denen die Menschen, die die Rohstoffe dafür bereitgestellt haben, auch leben können. Produkte, die so hergestellt wurden, dass möglichst wenige Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen wurden. Kurz: Produkte, für die weder Mensch noch Natur ausbeutet werden. Als sogenannter reicher Westeuropäer sehe ich mich an dieser Stelle einfach in der Verantwortung.

Doch gerade dieser Wunsch nach einem „guten Leben“, in dem ich fair zu meiner Umwelt bin, führt mich häufiger in scheinbar ausweglose Situationen.


Foto: Henning Bulka. Lizenz: CC-BY-SA 2.0.

„Was suchen eigentlich die weit gereisten Südfrüchte in der Biokiste vom Bauernhof der Region? Macht eine einzeln plastikverpackte, aber biologische Zucchini überhaupt Sinn? […] Der Apfel aus Neuseeland ist Tausende von Kilometern gereist, aber der aus der Region lag vielleicht monatelang im energieintensiven Kühlhaus. Fakt ist: Wenn der Übersee-Apfel nicht mit dem Flugzeug, sondern dem Schiff kommt, hat er eine bessere Ökobilanz als der heimische Konservierte. Aber auf dem Preisschild im Supermarkt finden sich keine Angaben über die Wahl seines Verkehrsmittels.“

Seite 18, enorm 1/2012.
Ausschnitt der Februar/März-Titelstory „Wir Teilzeit-Helden“ von Christiane Langrock-Kögel.

Lokal oder bio?

Aus der selbst gesetzten Verantwortung, fair zu leben, entstehen ganz neue Probleme: Kaufe ich eher die spanischen Bio-Tomaten, die zwar bio sind, für die aber in Almería ganze Landstriche für die Gewächshäuser ausgetrocknet werden? Oder kaufe ich die Tomaten aus den Niederlanden oder Deutschland, die zwar nicht bio und somit nicht auf echter Erde gewachsen sind, dafür aber auch nur weniger als die Hälfte des Weges auf dem Buckel haben?

Diese Liste ist scheinbar unendlich lang: Angefangen bei Südfrüchten, die ich beinahe aus Prinzip nicht mehr kaufe, es sei denn, sie stammen zumindest aus Europa. Weiter geht es mit Fleisch, dass ich zwar versuche, nicht mehr zu essen, und sicher ist mein Konsum deutlich niedriger als bei vielen anderen – trotzdem werde auch ich bei einer Currywurst schwach. Nächster Punkt: Kleidung – hier würde ich gerne mehr Lokales, mehr Bio, mehr fair Gehandeltes kaufen, aber selten finde ich etwas, das mir gefällt, und gleichzeitig zu meinem Geldbeutel passt, und so wird es dann doch wieder H&M.

Scheinbar aussichtslos scheint es auch bei all den elektronischen Begleitern in meinem Alltag zu sein: Zwar schreibt sich Apple mittlerweile auf die Fahnen, bei der Produktion auf Schadstoffe so gut es geht zu verzichten, doch trotzdem werden sich die meisten immer noch an die wegen der schlechten Arbeitsbedingungen von Dächer springenden Fabrik-Mitarbeiter erinnern.

Letzter und schmerzhaftester Punkt seit Kurzem: Milch. Ich habe in den letzten Wochen festgestellt, dass ich laktosefreie Produkte wesentlich besser vertrage. Die kostet etwa so viel, wie Bio-Milch, also das Doppelte dessen, was „normale“ Milch kostet. Doch bio und laktosefrei – das kann ich mir einfach nicht leisten.

Die richtige Balance


Foto: Henning Bulka. Lizenz: CC-BY-SA 2.0.

Gestern sprach ich mit einem Freund über all diese Themen. Er meinte daraufhin, dass das ja irgendwie auch alles Erste-Welt-Probleme wären. Klar, in Teilen schon. Auf der anderen Seite haben meine Kaufentscheidungen eben auch eine Auswirkung auf Zustände an anderer Stelle – Stichwort fair gehandelter Kaffee. Aus ähnlichem Grund bin ich auch überzeugter Naturstrom-Kunde. Weil ich der Meinung bin, dass es einen Unterschied macht, und dass ich so in eine nachhaltigere Zukunft investiere.

Eine Antwort auf all diese Frage wäre es, mir einfach nicht mehr so viele Gedanken zu machen. Doch ich kann meinen Kopf eben nicht einfach abschalten. Es gilt wohl eher, die richtige Balance zu finden, und auch einmal Abstriche beim Gutmensch-Sein zu machen, wenn es die eigenen Mittel nicht anders zulassen – oder wenn es einem in dem Moment einfach hilft, besser durch den weiteren Tag zu gehen und auf diesem Weg ein guter Mensch zu sein.

Der Wunsch, Gutes zu tun, ist da bei mir. Aber häufig scheitere ich an der Umsetzung – entweder an mir, oder an der Welt, in der wir leben. Damit richtig umzugehen, das ist wohl die nächste große Aufgabe für mich.

Wie geht es euch damit?

Stimme X/Y. Oder: Die Variable „Geschlecht“.

Was ist eigentlich „Geschlecht“, oder „gender“, wie es in der soziologischen Terminologie heißt? Schon einmal habe ich hier im Blog das Thema Geschlecht und Geschlechtervielfalt thematisiert, damals ging es um Geschlechterzuschreibungen bei Kinderspielzeug. Folgendes Video von Maria Helena Rutschke habe ich bei der Mädchenmannschaft gefunden, und es zeigt eindrucksvoll die engen Grenzen auf, in die wir tagtäglich unsere Gegenüber auf der Straße zwängen.

Aus der Videobeschreibung:

Ständig wird das Geschlecht anhand bestimmter angeblich ’natürlicher‘ Kriterien gesellschaftlich kategorisiert: sei es anhand des Aussehens, der Mimik und Gestik oder der Stimme.

„Ist das ein Junge oder ein Mädchen?“
Diese auf Tino bezogene Frage brachte mich auf die Idee, filmisch aufzuzeigen, wie er zwanzig Jahre lang für Irritation sorgte – aufgrund seiner Stimme.

Entstanden im Wintersemester 2010/2011 an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar.

Das biologische Geschlecht eines Menschen ist also das eine, und selbst das ist nicht immer festgeschrieben, wie unter anderem das Phänomen Intersexualität zeigt. Noch viel breiter ist die Vielfalt jedoch bei „gender“, dem „sozialen Geschlecht“. Dieses ordnen wir anderen immer wieder zu, durch ihr Äußeres oder ihren Habitus. Der Soziologe nennt das „Doing gender“, also „Geschlecht machen“.

Eine wirklich spannende Welt, in der wir leben.

Ich kann nicht mehr analog.

my planner
Foto: Sara Grajeda (CC BY-NC-SA 2.0)

Kennt ihr das noch? Hausaufgabenhefte? Früher, in der Schule? Da gab es einerseits die Standardausführung, schnörkellos, aber praktikabel. Und dann die schickeren Varianten, von verschiedensten Herstellern und Verlagen, etwa das Häfft mit vermeintlich sinnlosen Infos und tollen Sprüchen, oder aber auch den Timer der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

Heute ist mir letzterer einmal wieder über den Weg gelaufen, und zwar durch ein Gewinnspiel mit dem neuesten Timer der bpb als Preis. Ich war kurzzeitig angefixt, überlegte aber dann, was ich damit eigentlich soll. Denn, wenn ich ehrlich bin, kann ich meine Termine gar nicht mehr analog planen. Es wäre mir genauer gesagt ziemlich unmöglich. Und da wird mir (einmal wieder) klar, wie abhängig ich doch von meinen „Gadgets“, dem Netz und der „Cloud“ bin.

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